3 Pässe Tour durch den Hohen Atlas

3 Pässe Tour durch den Hohen Atlas

VON TABANT NACH BOU THRARAR

Schneebedeckte, gezackte Berge, fruchtbare Täler, fantastische Felsformationen, winzige Berberdörfer und Traumaussichten, die einem nie wieder loslassen werden. Die 3 Pässe Tour von Tabant nach Bou Thrarar ist wohl mit das Schönste was der Hohe Atlas zu bieten hat und sollte auf keiner Geländewagen – Reiseroute fehlen.

Für uns persönlich war diese Tour ein echtes Abenteuer – spannend, fordernd, unvergesslich.

  • Strecke: rund 90 km
  • Erforderliche Zeit: je nach Straßen- und Witterungsverhältnissen 3-6 Stunden
  • einfache Navigation
  • bei guten Straßen- und Witterungsverhältnissen auch für normale Pkw möglich
  • Achtung: im Winter kann die Piste wegen Schneefall auch für Geländefahrzeuge unpassierbar sein!
  • Die Tour kann auch in entgegen gesetzer Richtung befahren werden

 

 

Gestartet wir im kleinen Berberdorf Tabant. Vor allem sonntags herrscht hier Trubel – dann kommen Berber aus der gesamten Umgebung, um auf dem wöchentlichen Souk ihre Waren zu verkaufen. Das bunte Treiben und die Karawanen von vollgepackten Eseln allein sind einen Besuch wert!

Hinter dem Dorf verlässt man die asphaltierte Straße und biegt auf eine gut geschobene Piste Richtung Südosten. Beim Dorf Ibakkliouine kann man Dinosaurierspuren bestaunen. Die neu angelegte, breite Schotterstraße führt in Serpentinen immer höher den Berg empor. Es ergeben sich geradezu magische Aussichten auf das fruchtbare sogenannte “Glückliche Tal” mit seinen Feldern, den sanft geschwungenen Hügeln und schneebedeckten Bergen am Horizont.

 

 

Nach ca. 15 km hat man die erste Passhöhe des Tizi n’ Ait Imi (2.905 m) erreicht. Hier sollte man unbedingt eine (längere) Pause einlegen und den sagenhaften Ausblick bewundern! Bizzar geformte Felsen, gezackte Gipfel, geschwungene Täler – ein Weltklasse-Bergpanorama (vor allem wenn auf den Bergspitzen Schnee liegt)!

Die breite, gute Piste schraubt sich in Serpentinen ins Tal hinunter. Hier führt eine neu geschobene Schotterstraße an einem Trockenflussbett entlang und führt an wunderschönen Felsformationen vorbei, die an die fantastischen Hoodoos des Bryce Canyon erinnern.

 

 

Man kommt an einigen klitzkleinen Berberdörfern vorbei. Hier trifft man vielleicht auf Nomaden und kann beobachten, wie die Mädchen im Fluss ihre Wäsche waschen.

Die Piste überquert einen (niederen) Fluss und schraubt sich in engen Serpentinen den nächtsten Berg hinauf. Hier ergeben sich Traumaussichten auf das Tal und die geschwungene Straße.

 

 

Bei Kilometer 38 erreicht man die kleine Passhöhe Tizi n’Tounsa (2.770 m). Ab hier führt die Piste durch schöne Täler wieder bergab.

Nach einem erneuten Anstieg hat man nach ca. 46 km den Tizi el Fouqani (2.997 m) erreicht. Der Ausblick über die Berglandschaft ist majestätisch!

Ab hier führt die neu geschobene, breite Piste hinunter ins Tal. Man kommt an atemberaubenden Flusstälern und mehreren schönen Berberdörfern vorbei, in denen es auch einfache Unterkünfte gibt. Am kleinen Dorf Ameksar (oder auch Ouzighimte) gibt es zwei Möglichkeiten: die einfachere Strecke über einen Pass (2.200m), die gerade erneuert wird oder die abenteuerliche Fahrt durch die schmale Amejgag Schlucht. Beide Optionen führen zum bezaubernden Dorf Amejgag.

 

 

Am Dorfende führt die Piste je nach Saison eventuell mehrere Hundert Meter längs durch den Fluss hindurch (der auch mal einen halben Meter tief sein kann). Mit einem normalen Pkw wird man hier seine Probleme haben.

Am Dorf Alemdoun trifft man dann auf die Teerstraße, die nach Bou Thrarar, M’Gouna und Skoura führt.

 

 

Achtung: an der Piste wird gebaut (Stand Dezember 2018) – einige Teilabschnitte sind bereits fertig und in optimalem Zustand, andere sind wegen Bauarbeiten teilweise sogar gesperrt oder müssen über (mühsame) Umwege umfahren werden. Vor der Fahrt sollte man sich bei den Einheimischen über den Straßenzustand informieren.

Achtung: man sollte niemals vergessen, dass man sich auf dieser Tour in Höhen von 2.500 – 3.000m bewegt. Das ganze Jahr über muss mit Schneefällen und tiefen Temperaturen gerechnet werden. In den Wintermonaten wird der Schnee auf der Piste mit Bulldozern geräumt, doch – wie alles in Marokko – ist dies eine Dienstleistung, die gerne auch einmal ohne Vorwarnung komplett ausfallen kann oder nur teilweise erfolgt. Im Winter kann außerdem so viel Schnee liegen, dass die geräumte Spur so eng wird, dass nur mehr schmale Fahrzeuge hindurch passen. Der lose Untergrund kann durch den Schnee aufgeweicht werden – dann ist ein Allrad nötig.

Im Allgemeinen ist die Piste ein wahrer Traum, auf den sich alle Abenteuerlustigen freuen können! Im Sommer ist sie für jedes Fahrzeug machbar und für jeden Reisenden eine wunderschöne Tour. Im Winter und bei schlechter Witterung kann sie jedoch unpassierbar werden!

 

 

 

 

Wir persönlich sind die Tour im Dezember 2018 von Tabant aus gefahren und haben dabei unser ganz eigenes, kleines Abenteuer erlebt:

  • die Pisten waren nur bis zum ersten Pass geräumt – danach komplette, bis zu 1 Meter tiefe Schneestraße
  • wir trafen auf Nomaden, die mit ihren Eseln tagelang zu Fuß durch die Berge wanderten
  • wir trafen auf zwei im Schnee steckengebliebene, voll besetzte, bunte, marokkanische Busse und geschätzte 40 bunt gekleidete Berber, die heilfroh waren, als sie uns und unser Geländefahrzeug sahen
  • mehrere erst erfolgreiche und dann gescheiterte Versuche die zwei Busse auf der steilen Schneepiste abzuschleppen
  • schlussendlich steckten wir selbst im Schnee fest
  • dann steckte auch die Ambulance samt Patienten, der unbedingt ins nächste Krankenhaus gebracht werden musste, im Schnee fest
  • 4 Stunden Wartezeit voller toller Momente mit den ausschließlich arabisch sprechenden, unglaublich freundlichen Berbern später, erschienen am Horizont schließlich drei (!) Bulldozer und Bagger, um uns alle aus unserer festgefahrenen Lage zu befreien
  • am Ende des Tages waren wir das einzigste Fahrzeug, das dank 4 (!) Schneeketten, Allrad, hoher Bodenfreiheit, zwei Sandblechen und sehr, sehr großem Aufwand die Strecke über den 3. Pass schaffte

Ein Tag, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Tag, der uns die Schönheit der marokkanischen Berge und die Freundlichkeit der Einheimischen gezeigt hat. Ein Tag, der uns Vertrauen in unser Fahrzeug und unsere Fähigkeiten gab. Ein Tag, von dem wir noch unseren Enkeln erzählen werden.

 

 

Die besten Hilfsmittel für diese Tour sind:

 

 

Reiseführer von Edith KohlbachReisehandbuch Marokko“. Im Buch wird die Route als “Tour D16” beschrieben. Hier findet man auch nützliche Koordinaten.

 

 

 

  • Offroad Navigation über LocusMap (kostenpflichtig)

 

  • Offroad Streckenverzeichnis von Wikiloc (kostenpflichtig)

 

 

 

 

 

 

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4 Kommentare

  1. 31. Januar 2019 / 11:18

    Traumhafte Bilder! Wenn man sich in solchen Landschaften bewegt, kommt man sich richtig klein vor. Von Marrakesch aus habe ich das Atlasgebirge gesehen und war total beeindruckt. So eine Tour möchte ich auch gern mal machen.

    Liebe Grüße,
    Tamara

    • ValeriaTheTravely1
      Autor
      31. Januar 2019 / 11:58

      Liebe Tamara, vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar.
      Das Atlasgebirge ist wirklich atemberaubend schön!
      Ich kann es kaum erwarten wieder dorthin zurückzukehren.
      Im Sommer könnte man eine solche Tour auch mit einem normalen Mietauto machen.

      Lg, Valeria

  2. Lukas
    27. Januar 2019 / 14:50

    Wow cooler Bericht!

    • ValeriaTheTravely1
      Autor
      27. Januar 2019 / 14:50

      Dankeschön 🙂

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