Kambodscha – von Tempeln und Herzlichkeit

Kambodscha – von Tempeln und Herzlichkeit

Kambodscha, das Königreich an der Grenze zu Thailand, klingt immer noch ein wenig exotischer und unberührter als seine berühmten Nachbarn. Man denkt an uralte, von Lianen überwucherte Tempelanlagen mitten im Dschungel, an Motorikschas und das ein oder andere kleine Abenteuer.

Wir waren nur für 4 Tage dort und haben nicht viel mehr als die bekannten Tempelruinen von Angkor gesehen, doch dieses kleine Land hat uns in dieser kurzen Zeit komplett verzaubert. Vom ersten Augenblick an, fühlten wir uns unglaublich willkommen.

Reliefs von Angkor Wat

Wir flogen mit AirAsia von Bangkok nach Siem Reap. Am kambodschanischen Flughafen muss jeder Reisende ein „Visum beantragen“ (der Pass wird von Polizist zu Polizist gereicht, Foto machen, Stempel drauf, 30 Dollar bezahlen, fertig).

Vor dem Terminal wartete schon ein Fahrer auf uns, der uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. Als er dann mit einer nostalgischen Motorrad-Rikscha vorfuhr, staunten wir nicht schlecht. Wir packten unsere großen Rucksäcke auf das Gefährt und brausten los.

Fahrradrikschas vor dem Cyclo d’Angkor

Die Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum dauerte ca. 30 Minuten. Es war schon dunkel. Der warme Wind blies uns um die Nase und verwirbelte unsere Haare. Auf den Straßen waren fast keine Autos unterwegs. Links und rechts am Straßenrand versammelten sich Einheimische an dampfenden, kleinen Garküchen, es gab keine Straßenbeleuchtung, keine blinkenden Schilder. Ein paar Kinder rannten umher, ein paar Hunde auch. Hier und da hörte man Musik. Andere Traveller sahen wir keine.

Wir fuhren vorbei an Hotelanlagen, Shops, Bars, Restaurants und kamen schließlich zu unserem Hotel. Wir hatten uns für die paar Tage in Kambodscha „etwas gegönnt“ und in einem kleinen Boutique Hotel gebucht (The Cyclo d’Angkor). Der erste Blick auf das Gebäude haute uns um. Es war modern, auf dem Parkplatz waren 20 nostalgische Fahrradrikschas schön säuberlich aufgereiht, dahinter erhob sich ein tropischer Wald, durch den ein schmaler Pfad ins Hotelinnere führte. Es war wunderschön.

Pool im Cyclo d’Angkor

Sofort eilte ein hilfsbereiter Mitarbeiter heran und begleitete uns in die Lobby. Wow! Dunkles Holz, weiße Sofas, orange Dekoelemente, tropische Pflanzen, goldene Buddhastatuen. Unser Zimmer war auch sehr schön und nach den eher einfachen Hostels in Thailand eine willkommene Abwechslung. Am Morgen gab es ein wundervolles Frühstück mit frischen, tropischen Früchten und Eierspeisen direkt von der Showküche. Im Garten befand es einen wirklich malerischen Pool.

Alle Mitarbeiter waren unglaublich zuvorkommend und freundlich – aber nicht auf eine „gezwungene“ Art. Wir können dieses Hotel nur weiterempfehlen. Wir waren überaus zufrieden mit unserer Wahl und würden es sofort wieder buchen. Unser Aufenthalt im Cyclo d’Angkor war wirklich außerordentlich schön.

Angkor Wat

In den darauffolgenden Tagen haben wir uns je für den ganzen Tag einen privaten Fahrer gemietet (von den netten Mitarbeitern des Hotels wurde zu unserer Überraschung extra unser Fahrer vom Flughafen organisiert) und erkundeten mit der Motorradrikscha das Gelände der alten Tempelanlagen von Angkor. Man kann die Anlagen auch mit dem Fahrrad (sehr anstrengend, aber billig), oder mit einem Taxi (manchmal auch wirklich nostalgischen Oldtimern) erkunden.

Die Tempel von Angkor sind bequem von Siem Reap aus zu erreichen. Am Parkeingang muss man eine Eintrittsgebühr entrichten und bekommt dafür einen „Ausweis“ mit Lichtbild (der Preis wird nach Tagen gestaffelt. Wir haben für 3 Tage rund 40€ pro Person bezahlt).
Danach sind wir mit unserer Motorikscha kreuz und quer zwischen den Anlagen umhergefahren und haben die schönsten Tempel besucht.

Reliefs von Angkor

Angkor Wat: Angkor Wat ist der größte und bekannteste Tempel der Anlage. Eine breite Brücke führt direkt zum Tempel, den man über unzählige schmale Gänge erkunden kann. Man kann auf Türme steigen, Mönche beim Meditieren beobachten und die tausenden von feinen Reliefs, Wandbilder und verzierten Säulen bestaunen. Der Tempel ist wirklich atemberaubend schön – doch auch sehr überlaufen. Am besten man kommt in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden.

Reliefs in Angkor

Die markanten Türme der Tempelanlage sind bei Sonnenaufgang besonders schön. Dann spiegeln sie sich im vorgelagertem Seerosenteich. Dafür sollte man sich sehr, sehr früh zum Teich begeben (ca. 4-5 Uhr). Je früher man kommt, desto besser. Innerhalb kürzester Zeit wird die gesamte Rasenfläche um den Teich belagert sein mit hunderten (!) von Schaulustigen mit Kameras und Handys. Es wird geschoben und gedrückt und der ein oder andere fällt sogar ins Wasser. Also besser früher kommen und sich einen guten Platz sichern. In den Stunden bis zum Sonnenaufgang wimmelt es auf der Grünfläche nur so von fliegenden Händlern, die von Bechern Kaffee über Snacks bis Plastikhockern (!) alles Mögliche für die müden Reisenden anbieten.

Sonnenaufgang am Angkor Wat

Und irgendwann ist es dann soweit: der Himmel hinter den 3 aufragenden Türme des Angkor Wat färbt sich pink. Vielleicht ziehen ein paar Schäfchenwolken vorbei und dann geht genau zwischen den Türmen die Sonne auf. Ein wunderbarer Anblick.

Neben dem berühmten Angkor Wat gibt es eine Vielzahl anderer wunderschöner Tempel, wie dem Angkor Thom mit dem Bayon.

In der weitläufigen Anlage kann man Tage verbringen, umherspazieren und an den kleinen Märkten Souvenirs und Snacks shoppen. (Achtung: genügend Wasser mitnehmen und auf die Hitze achten)

Tempel in Angkor

Ein sehr lohnender Abstecher ist der verwunschene Tempel von Ta Prohm (dort wurde Tomb Raider gedreht). Diese Tempelanlage ist relativ „naturbelassen“, Lianen hängen kreuz und quer zwischen den Türmen, Haufen voller antiker Bausteine liegen verstreut herum, riesige Spinnennetze kleben an den Steinen und spektakuläre Würgefeigen graben sich durch die uralten Mauern.

Tempel von Ta Prohm

Es scheint als kämpfe sich die Natur langsam, langsam das Gebiet wieder zurück. Der unberührte Tempel ist wirklich malerisch und wenn man so durch die engen Gässchen und Tunnel spaziert, würde es einem nicht weiter wundern, wenn plötzlich wirklich Angelina Jolie mit einer Flugrolle um die Ecke kommen würde.

Ein weiterer sehr attraktiver Ausflug ist eine Tour zum weltberühmten Tempel Banteay Srei. Die Tempelanlage liegt einige Kilometer von Siem Reap entfernt (man braucht ein Tuktuk oder Taxi), doch die lange Anreise ist es auf jeden Fall wert. Banteay Srei gilt als schönster Tempel in Angkor und besticht durch filigranste Reliefs und erstaunlich lebensechte Statuen.

Banteay Srei

Auf der Straße nach Banteay Srei oder zwischen den einzelnen Tempeln in Angkor kommt man an vielen kleinen Siedlungen vorbei. An Pfahlbauten, Marktständen und Garküchen, an Hühnern, Hunden und Bambuskörben. Kinder in Schuluniformen sausen mit rostigen Fahrrädern umher, ältere Damen fegen vor dem Hauseingang, Ochsenkarren passieren die Straße. Hier und da steht ein zusammengeschustertes Holzregal mit erfrischend aussehenden, orangen Flaschen am Straßenrand. Doch leider ist dies keine kühle Fanta – sondern Benzin für die Motorroller – also besser nicht trinken.

Die Landschaft ist wunderschöne. Die Szenerie wirkt irgendwie urtümlicher als zB. in Thailand.
Wilder. Unberührter. Unverbrauchter.

Doch man spürt auch die Armut und die Wunden, die jahrelanger Krieg und Unterdrückung hinterlassen haben. (in Kambodscha liegen weltweit noch am meisten Landmienen – also immer auf den Wegen bleiben! Die Tempelanlagen in Angkor und die Haupttouristenattraktionen sind minenfrei.)

Lebensmittelmarkt in Siem Reap

Siem Reap bietet am Abend beste Unterhaltung. Man kann durch die belebten Straßen schlendern, Märkte leerkaufen und köstlichste Fruchtshakes schlürfen. Die zentrale „Pub Street“ bildet dabei das Epizentrum des Geschehens.

Es gibt unzählige Restaurants, Bars mit brummenden Bässen, Shops, Garküchen, Straßenkünstler und versteckte, kleine Gässchen, in denen sich das ein oder andere Juwel entdecken lässt. Die Pub Street ist wie eine kleine, ursprüngliche Version der Khao San Road  in Bangkok. Laut und voll, jedoch noch sehr viel unverbrauchter und weniger kommerziell, als ihre große Schwester in Thailand. Es gibt nur sehr wenige „Promoter“ – und wenn, dann sind sie nicht aufdringlich. Es gibt keine (sichtbaren) GoGo-Bars. Die Betreiber der Garküchen, Restaurants und Shops sind freundlich und sehr herzlich und freuen sich über jeden neuen Gast. Es wirkt alles sehr, sehr „ehrlich“.

Früchteshake Stand in Siem Reap

Einen schönen Abstecher bietet der (Night-) Market in der Nähe der Pub Street. Der Markt ist riesig! In den Millionen von Ständen findet man alles von Krawatten über getrockneten Mangoscheiben bis großen Ölgemälden. Schmuck, Kleidung, Deko, Haushaltswaren, Elektroartikel, Gewürze… Man könnte Stunden hier verbringen. Und sein gesamtes Geld verprassen – die Preise sind sehr, sehr billig (um ein Vielfaches günstiger, als in Thailand. Eine bunte Haremshose zum Beispiel kostet am Abend nur 1-2 Dollar –anstelle von umgerechnet 5-6€ auf der Khao San in Bangkok).

Es schien, als koste das meiste 1 Dollar. Frischer, exotischer Fruchtshake? One Dollar! Eine kurze Fahrt mit der Rikscha? One Dollar! Ein kleiner Dekoartikel? One Dollar! (Die Verkäufer lassen sich auch sehr gerne auf Preisverhandlungen ein.)

An den Garküchen und in den Restaurants gibt es eigentlich die üblichen südostasiatischen Gerichte. Curry und Pad Thai – nur sehr viel weniger scharf als zB. in Thailand.

Ach ja, und in fast allen Shops und Lokalen lässt sich auch mit Thailändischem Baht bezahlen. Und Dollar natürlich. Und sogar mit Euro. (nur auf den Wechselkurs achten!)

Zwischen den Tempeln in Angkor

unser Fazit: 

Kambodscha  hat uns mitten ins Herz getroffen. Wir haben uns verliebt. Verliebt in die atemberaubende Landschaft und die verzierten Tempel, die man voller Ehrfurcht durchstreift. Verliebt in die quirligen Märkte und die Herzlichkeit der Menschen, die uns so verzauberte, dass es schwer fällt sie in Worte zu fassen.

Das kleine Land im Südosten Asiens scheint noch authentischer und wilder, als zB. Thailand. Die Landschaft ist teilweise unberührt, die Menschen unverbraucht. So stelle ich mir Thailand vor 20 Jahren vor.

Jeder –sei es ein Verkäufer oder Taxifahrer –freut sich noch aufrichtig, sobald ein neuer Kunde vorbeischaut. Die Leute sind freundlich, nett und hilfsbereit und neugierig.
Danke Kambodscha, für diese unvergessliche Zeit! Für die filigranen Tempel und die rasanten Motorikschas. Für die exotischen, frischen Fruchtshakes… und deine herzlichen Bewohner… danke.
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