Patagonien – vom schönsten Ort der Welt

Patagonien – vom schönsten Ort der Welt

Die Vögel zwitscherten, als wir am Morgen verschlafen aus unseren dicken Schlafsäcken lugten. Das Wetter zeigte sich freundlich. Nur wenige Wölkchen standen am Himmel. Wir fuhren die rund 30km zurück nach El Calafate, tankten, füllten Lebensmittel auf und düsten dann Richtung Norden – Richtung El Chaltén, dem Tor zum berühmten Fitz Roy Massiv.
Stundenlang folgten wir dem Highway zuerst vorbei am großen Lago Argentino und später durch endlose Steppe und sanfte Hügel. Lama- und Schafherden grasten am Straßenrand, mehrere bunte Wickedcampers kreuzten unseren Weg. Der Wind nahm mit jedem Kilometer zu und wiegte das Auto hin und her. Beim Aussteigen hob es fast die Tür aus ihren Angeln. Das Gehen wurde zunehmend schwieriger, doch wir hatten einen heiden Spaß und hüpften aufgeregt durch den tosenden Wind.

Fitz Roy

Am späten Nachmittag kamen wir schließlich an den beiden hohen Eingangsportalen von El Chaltén an. Sie stehen einige Kilometer vor dem Dorf und bieten normalerweise einen ersten, atemberaubenden Blick auf die Berge. Doch an jenem Tag waren die Gipfel in eine dicke Wolkendecke gehüllt und wir konnten die schroffen Silhouetten nur erahnen.
Wir fuhren durch das kleine Dorf mit seinen bunten, schönen Häusern. Schicke Bars, Souveniershops, Restaurants, Waschsalons und nette Hostels säumten die Straßen. Es regnete leicht. Unzählige Wanderer mit farbenfrohen Regenjacken pilgerten durch die Bars und Shops. An der kleinen Touristeninformation am Busbahnhof deckten wir uns mit Kartenmaterial ein (es gibt eine weitere Touristeninformation direkt am Dorfeingang).
Für die Nacht suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen ein wenig außerhalb von El Chaltén. Dies würde unser zuhause für die nächsten 5 Tage werden. Hier würden wir ungestört unsere Wäsche waschen, duschen und kochen können. Hier würden wir niemanden stören.

Fitz Roy

Am Morgen konnten wir unseren Augen kaum glauben, als wir verschlafen aus den Autofenstern lugten. Die Sonne schien. Die Vögel zwitscherten. Kein Wölkchen weit und breit. Bilderbuchwetter!
Rasch packten wir unsere Sachen zusammen und schlüpften in unsere dicken Wanderschuhe. Wir bogen mit unseren Campervan auf die Haupstraße und blieben wie angewurzelt stehen. Direkt vor uns erhoben sich die wunderschönen Gipfel des Fitz Roy Massivs am Horizont. Die schneebedeckten Berge bohrten sich in den blau strahlenden Himmel. Der Anblick war unbeschreiblich schön. Dieses Panorama fesselte uns vom ersten Augenblick an … und ließ uns nie wieder los.
Aufgeregt folgten wir der Straße nach El Chaltén – die Berge stets am Horizont. An jeder Ausweichstelle hielten wir und schossen unzählige Fotos. Es war wundervoll. (Tipp: auch am Abend, wenn die gezackten Berge von der untergehenden Sonne in warmes Rot getaucht werden, hat man von der Straße nach El Chaltén den besten Panoramablick auf die markante Andensilhouette.)

Fitz Roy

In El Chaltén pilgerten wir zur Ranger Station am Ortseingang und lauschten der äußerst informativen, kurzen Einführung, die die netten Ranger jeden Tag abhalten (sehr zu empfehlen!). Sie sprachen über die schönsten Wanderungen für jeden Schwierigkeitsgrad, über die Wildtiere, die man im Park entdecken könnte und über Aktivitäten sollte das Wetter einmal nicht mitspielen).
Wir wollten mit der Wanderung zum “Lago Capri” beginnen. Wir stellten unseren Wagen auf dem Parkplatz am Ortsende ab, schulterten unsere Rucksäcke und wanderten los. Der breite Weg schlängelte sich stetig, aber nicht sehr steil durch schönen Laubwald den Hügel hinauf. Nach einigen Hundert Metern kamen wir zu mehreren Aussichtspunkten, die einen spektakulären Ausblick auf das malerische Flusstal zu unseren Füßen gewährten.
Der Blick auf die Spitzen des Fitz Roy blieb jedoch verdeckt. Das unglaubliche Bergpanorama erspähten wir erst rund eine Stunde später wieder, als wir am Lago Capri angekommen waren.

Lago Capri

Die Szenerie am See war überaus malerisch. Er war glasklar, kleine Wellen schwappten an die runden Kieselsteine am Ufer, knorrige, niedere Bäume reckten sich wagemutig über das Wasser. Vögel zwitscherten. Die hohen, schneebedeckten Berggipfel bohrten sich dahinter in den strahlend blauen Himmel.
(Am Lago Capri befindet sich auch einer der zahlreichen “Campingplätze”. Mehrere Zeltstellplätze sind dort im schönen Wald am Seeufer verteilt. Es gibt ein öffentliches Toilettenhäuschen, jedoch keine weiteren Services. Das Wasser im gesamten Park ist trinkbar.)

am Fitz Roy

Wir beschlossen noch ein Stückchen weiter zu wandern und folgten dem Weg Richtung Campamento Poincenot (dem Basislager der Kletterer, die den Aufstieg zum Cerro Fitz Roy wagen). Der schmale Pfad führte uns eine weitere Stunde flach durch wunderschönes Wald- und Buschgebiet, vorbei an sprudelnden, kristallklaren Bächen und wunderbaren Aussichtspunkten. Knarrende Holzstege führten über niedere Flussdeltas. Grünes Schilf wog im Wind hin und her, Libellen flatterten um unsere Füße, der Blick stets auf die unglaublich schönen Bergspitzen gerichtet.
Das Gebiet vom Lago Capri bis zum Campamento Poincenot war so unbeschreiblich malerisch, dass keine Worte diese Schönheit auch nur annährernd gebührend beschreiben könnten. Es war die pure Perfektion. So friedvoll und vollkommen, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Wir konnten unseren Blick kaum abwenden. Unser Glück kaum fassen. Es war der schönste Ort, den ich je gesehen hatte.

Fitz Roy

Wir verbrachten den ganzen Tag am Berg, spazierten herum, saßen mit unseren Käsebroten auf den, von der Sonne aufgewärmten, Steinen und tippten unsere nackten Füße vorsichtig in das eiskalte, klare Wasser der sprudelnden Bäche.
Am späten Nachmittag machten wir uns überglücklich auf den Rückweg. Wir nahmen dafür den Weg zum Mirador Fitz Roy. Eine sehr schöne Alternative, die vorbei an knorrigen, hohen Bäumen zu mehreren wunderbaren Aussichtspunkten mit Blick auf die Bergspitzen führte.

Fitz Roy

Der nächste Morgen zeigte sich unbarmherzig grau in grau. Dicke Wolken verhüllten die Berggipfel, den ganzen Tag über regnete es. Es war kalt. Für eine Wanderung fehlte uns bei diesem traurig, trüben Wetter jegliche Motivation, so folgten wir der holperigen Schotterstraße, die zum Lago del Desierto führte.

Flusstal bei El Chaltén

Die Schlammpiste folgte einem sich schlängelnden, blau leuchtendem Fluss und führte uns durch dichten, tropfenden Wald und Schilfgebiet. Die mit Schlaglöchern übersäte Straße bestand quasi nur noch aus tiefen Pfützen, in denen unser Wagen zu versinken drohte. Der Flusspegel war sehr hoch und an manchen Stellen hatte man Angst er könne gleich die gesamte Piste überschwemmen.
Nach einigen Kilometern kamen wir zum äußerst malerischen Wasserfall “Salto del Anillo” und schließlich zum großen Lago del Desierto. Nebelschwaden waberten über dem Wasser und verwehrten den Blick auf das gegenüberliegende Ufer. Wir spazierten ein wenig im nassen, unberührten Wald am Seeufer herum. Bei schönem Wetter ein sicherlich wunderschöner Ort.

Wasserfall bei El Chaltén

Nach einigen Stunden machten wir uns auf den Rückweg ins Dorf. Unsere Schuhe waren durchnässt, das Auto über und über mit braunem Schlamm bedeckt, doch der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt und uns einen Blick auf das wunderschöne Fluss- und Waldgebiet nördlich von El Chaltén gewährt.

Mirador los Condores

Am nächsten Morgen schien die Sonne. Der Himmel war blau, kleine Schäfchenwolken schwebten über den strahlenden Berggipfeln. Jubelnd packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg zur Rangerstation im Dorf. Diesmal würden wir zum “Mirador de los Condores / Mirador de los Aguilas” oberhalb des Ortseingangs aufsteigen (der Weg beginnt direkt an der Rangerstation).
Wir schulterten die Rucksäcke und stapften los. Der schmale, staubige Pfad führte uns steil bergauf. Bereits nach 20 Minuten hatten wir den ersten und wenig später den zweiten Aussichtspunkt erreicht. Wir kraxelten auf den großen Felsbrocken herum, ließen uns die warme Sonne auf den Bauch scheinen und genossen die spektakuläre Sicht auf El Chaltén und die majestätischen Berggipfel dahinter. Ein wirklich schönes Fleckchen Erde und eine gute Alternative für eine kurze, leichte Wanderung.

Mirador Pietras Blancas

Für den Nachmittag stand die Wanderung zum “Mirador Pietras Blancas” auf dem Programm. Wir fuhren bis zur Hosteria El Pilar nördlich von El Chaltén, ließen den Wagen auf dem großen Parkplatz, schulterten erneut unsere Rucksäcke und wanderten los. Der Pfad führte uns zunächst gemächlich an einem wunderschönene Fluss entlang und dann stetig berauf durch dichten Wald voller zwitschernder Vögel. Augen auf halten – man kann viele rote Spechte bei ihrer Arbeit beobachten.
Nach rund 2 Stunden kamen wir am schönen Aussichtspunkt, mit Blick auf den großen “Glaciar Piedras Blancas” unterhalb des Fitz Roy, an. Wir verbrachten dort einige Stunden. Saßen auf umgestürzten Baumstämmen, aßen unsere Sandwiches und genossen das tolle Bergpanorama.

Chorrillo del Salto

Auf dem Rückweg legten wir beim “Chorrillo del Salto” einen Zwischenstopp ein. Der schöne Wasserfall ist ab dem Parkplatz an der Straße zum Lago del Desierto in wenigen Minuten zu erreichen.
Am nächsten Tag war das Wetter erneut herrlich und wir entschieden kurzerhand noch einen Tag in El Chaltén zu bleiben – es gefiel uns einfach zu gut. Das war der Vorteil des eigenen Campervans: man musste nichts vorbuchen. Man konnte gehen wann man wollte. Und bleiben wann man wollte.

auf dem Weg zum Lago Torre

An unserem letzten Tag nahmen wir die Wanderung zum “Lago Torre” unterhalb des Cerro Torre in Angriff. Der Weg startete mitten im Dorf und führte stetig bergauf durch schönes Wald- und Flussgebiet. Er bot ein äußerst schönes Bergpanorama. Inmitten von niederen Sträuchern, die bereits in den schönsten Herbstfarben leuchteten, erspähten wir eines der seltenen “Huemuls” (Andenhirsch).
Nach rund 2 Stunden kamen wir schließlich am Lago Torre, einer grauen Gletscherlagune, an. Direkt hinter dem See erhoben sich ein großer Gletscher und die steilen Hänge und Spitzen des Cerro Torre. Das Panorama war herrlich. Wir saßen uns auf den Geröllhängen am Ufer und genossen die warme Sonne auf unserer Haut.

Bergpanorama am Fitz Roy

(Alle Wanderwege rund um El Chaltén sind in einem ausgezeichneten Zustand, überaus gepflegt und sauber. An den viel frequentierten Pfaden gibt es außerdem öffentliche Toiletten. Die Tourismusinformation verteilt übersichtliche Wanderkarten und die Ranger stehen einem bei jeder Frage zur Seite. Ihre kurzen Informationsvorträge sind sehr empfehlenswert!)

Am nächsten Morgen hieß es für uns Abschied nehmen. Wir füllten an der winzigen Tankstelle außerhalb des Dorfes unsere Benzinvorräte auf (nur Barzahlung möglich) und blickten ein letztes Mal zurück. Die Berggipfel waren in eine dicken Wolkenhülle getaucht. “Tschüss, El Chaltén. Und Danke. Danke, für deine klaren Gebirgsbäche, deine dichten Wälder und deine unbeschreiblich vollkommenen Berge.”, murmelte ich vor mich hin, als die Umrisse des Bergmassivs im Rückspiegel immer kleiner wurden.

 

 

weiter geht’s zu Bergen und Seen im Torres del Paine Nationalpark!

 

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