Patagonien – von Delfinen und Abschied

Patagonien – von Delfinen und Abschied

Wir donnerten auf der holperigen Schotterpiste dahin. Die dicke Staubwolke, die uns folgte, legte sich auf grau gefärbten Sträucher neben der Straße. Wir waren wirklich erleichtert, als wir nach ein paar Stunden endlich in Puerto Natales ankamen. Es fühlte sich an, als wäre eine schwere Last von unseren Schultern gefallen, als wir den Torres del Paine Nationalpark verlassen hatten. Nun waren wir wieder “frei” – konnten stehen und parken und schlafen und campen wo wir wollten.

Patagonien bei Nacht

Der nächste Morgen erwachten wir inmitten sanfter Hügel einige hundert Kilometer südlich von Puerto Natales. Keine Menschenseele war zu sehen, eine kleine Schafherde graste nicht weit von uns, Tau lag auf den grünen Grashalmen, die sanft im Wind hin und her wiegten. Leichter Nebel waberte über die endlose Steppe.
Nach einem kleinen Frühstück machten wir uns auf den Weg Richtung Süden. Kurz vor Punta Arenas bogen wir auf eine kleine Schotterstraße, die zur Pinguinkolonie am Seno Otway führte. Die Kolonie war leider bereits geschlossen (die Pinguine waren schon weitergezogen), doch wir suchten uns an der ruhigen Straße ein Plätzchen für die Nacht und ließen den Tag mit einer wohltuenden Dusche und einem leckeren Essen gemütlich ausklingen.

windumtoste Bäume auf der Magellanes Halbinsel

Am darauffolgenden Tag besorgten wir uns an der Tourismusinformation in Punta Arenas Kartenmaterial für das Umland und die Magellanes Halbinsel. Wir beschlossen dem “Naturpark Lago Parillar” südlich der Stadt einen Besuch abzustatten. Am Parkeingang bezahlten wir die Eintrittsgebühr von 6€ pro Person und suchten uns anschließend ein nettes Plätzchen direkt am Seeufer (im Naturpark kann man auch kleine Häuschen mieten).
Das Gebiet rund um den Lago Parillar war wirklich malerisch. Mehrere Wanderwege durchziehen die dichten Laubwälder voller zwitschernder Vögel rund um den See. An jenem Tag – es war Samstag – hatten sich dutzende chilenische Großfamilien an den Grillstellen am Wasser versammelt und feierten lautstark.

 

Lago Parillar

Für den nächsten Tag war eigentlich eine Wanderung rund um den See geplant, doch die fiel wieder einmal buchstäblich ins Wasser. Es regnete. Betrübt verließen wir den Park und düsten auf dem Highway Richtung Süden.
Wir fuhren durch kleine Dörfer und Wälder und Wiesen, in denen es von grillenden, feiernden Familien nur so wimmelte und folgten der Küste. Plötzlich schrie Lukas laut auf: “Wale! Wale!”. Er zeigte aufgeregt Richtung tiefblaues Meer. Nur wenige Hundert Meter vom Strand entfernt schwammen  mehrere große Wale im “Estrecho de Magallanes” und spritzten mit ihren Luftlöchern. Wir konnten unseren Augen kaum trauen! Immer wieder entdeckten wir aus dem fahrenden Wagen heraus die schwimmenden Meeresriesen und verfielen jedesmal in Jubelschreie.

das Ende der Straße des Amerikanischen Festlandes

Rund 70km südlich von Punta Arenas war die Straße plötzlich zu Ende – das Ende der Straße des amerikanischen Festlandes war erreicht. Südlicher ging es nur noch zu Fuß – nämlich bis zum “Cabo Froward”. Wir parkten am Straßenrand, schulterten unsere Rucksäcke und schlenderten ein wenig an der steinigen Küste entlang. Ein toller Ort, an dem eine ganz besondere Atmosphäre herrscht.
Am Abend schlugen wir unser Nachtlager an einem Aussichtspunkt direkt am Meer auf.
Die nächsten beiden Tage verbrachten wir damit, aufgeregt an der Küste rauf und runter zu fahren und Delfine, Seehunde und Wale von der Straße aus zu beobachten. Wir erkundeten Punta Arenas (nicht sehr spektakulär) und campierten zwei Nächte lang im schönen “Parque Chabunco”, wenige Kilometer nördlich der Stadt.

Dämmerung bei Punta Arenas

An unserem letzten Abend standen wir auf einer hohen Klippe im Park und blickten auf das ruhige Meer. Es dämmerte. Das Wasser war fast spiegelglatt und in ein leuchtendes Rosa gehüllt. Wir entdeckten drei Delfine, die nicht weit von uns, im Wasser planschten. Ich griff nach Lukas’ Hand. Es war der perfekte Moment. Der perfekte Abschied. Danke Patagonien.

Dann war er gekommen, der Tag der Abreise. Nach einem Monat im Campervan hieß es nun packen. Wir kramten all unsere Sachen aus den Stauräumen im Wagen und stopften sie in unsere Koffer. Ein letztes Mal blickten wir auf den Ozean zurück. Eine dicke Nebelschicht waberte über der Wasseroberfläche.

Lukas in unserem Wickedcamper

Dann brausten wir los und erreichten bereits nach wenigen Minuten das Gelände der Wickedcampers Zentrale. Viele bunte Campervans standen wild verstreut auf der Wiese herum. Einige waren blitzblank sauber, andere über und über mit einer dicken Staub- und Schlammschicht überzogen – so wie unserer.
Alejandro begrüßte uns freundlich. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Eines der Spritzschutz – Bleche hinter dem Vorderreifen war auf einer Schotterpiste bei El Chaltén gebrochen und wir befürchteten bereits ein heiden Geld dafür bezahlen zu müssen. Doch alles halb so wild. “Ach, die brechen auf unseren Straßen doch ständig ab! Kein Problem, ihr müsst nichts bezahlen.”, lachte Alejandro.
Wir gaben ihm 15.000 Pesos (rund 20€) für die Endreinigung des Wagens (man könnte ihn auch selber reinigen), dann rief er uns ein Taxi und wir fuhren zum Flughafen.

unser bunter Campervan

Da unser Flug nach Santiago mit Skyairlines rund 3 Stunden Verspätung hatte, kamen wir, nach einem recht turbulenten Flug, erst um 23.00 Uhr in Santiago de Chile an. Völlig fertig schleppten wir uns zum Flughafenbus vor dem Terminal, bezahlten das Ticket (für uns beide insgesamt 5€ für Hin – und Retourfahrt) und ließen uns erschöpft auf die weichen Sitze fallen. Nach einer halben Stunde Fahrt schleppten wir uns und unser schweres Gepäck dann noch 20 Minuten zu unserem Hotel in der Innenstadt. Todmüde fielen wir auf das frisch bezogene Bett. Und schliefen sofort ein.
Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus gleich wieder zurück zum Flughafen, hinein in eine große Boeing, in Rom wieder raus aus dem Flugzeug und hinein in das nächste – wenn auch sehr viel kleinere. In Mailand raus aus dem kleinen Flugzeug, rein in den Linienbus, raus aus dem Bus, rein in die Metro, am Busbahnhof raus aus der Metro, rein in den grünen Flixbus. Und als wir nach rund 30 Stunden endlich zuhause ankamen, waren wir mehr als glücklich.
Und müde.

 

unser Fazit

♥  Verpasse nicht Lukas’ Roadtrip Video!

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