tattooed in Cuba

tattooed in Cuba

An unserem letzten Tag in Varadero erlebte ich mein ganz persönliches, kleines Kubaabenteuer – ich ließ mir ein klitzekleines Tattoo stechen. Das hört sich jetzt vielleicht nicht sonderbar spektakulär an, doch in einem Land, in dem es bis dato keine „legale“ Tattooszene gibt, ist es immer noch ein aufregendes und nicht einfaches Unterfangen.

Am Anfang ging ich davon aus, dass sich in Varadero – DER Touristenhochburg Kubas – ganz easy ein Tätowierer finden lassen würde. In meiner Vorstellung säumten dutzende von Tattooshops die Hauptstraßen – so wie in Bangkok. Doch weit gefehlt! Es gab nämlich kein einziges (offen sichtbares) Tattoostudio. Keines!

Nachdem wir die ganze Woche lang die Hauptstraßen rauf und runter geschlendert waren, geguckt und gesucht hatten und doch nicht fündig wurden, gab ich mein Vorhaben schon fast auf. Doch eines Abends drückten uns zwei sympatische, junge (volltätowierte) Männer einen Flyer in die Hand. Da stand „Tattoo Varadero“ und eine Adresse. Bingo!

Am nächsten Abend machten wir uns sofort auf den Weg zur besagten Adresse. Wir suchten und suchten und fragten mehrere Einheimische, die uns neugierig musterten. Sie waren es nicht gewohnt, dass Touristen (auch noch 2 Mädchen alleine) in ihre Vorortviertel kamen. Sie waren sehr hilfsbereit und nett, doch einen Tattooshop? Nein, so etwas kannte hier niemand. Tja, schade.

An unserem letzten Abend in Varadero – wir schlenderten gerade durch die kleinen Märkte und deckten uns mit Souvenirs ein – entdeckten wir plötzlich ein bunt blinkendes Schild an einer Haustür. In strahlenden Buchstaben stand dort: TATTOO. Das Blinkschild hing an einem typisch kubanischen Wohnhaus, nur ein Stockwerk hoch, in Pastelltönen gestrichen, ein rostiges Eisentor davor, ein kleiner Garten, in dem ein paar noch rostigere Fahrräder standen, ein pinkes Dreirad aus Plastik, Spielsachen, nasse Wäsche baumelte an der Wäscheleine… Nichts, außer dem blinkenden Schild, deutete auf einen Tattooshop hin.

Auf der Veranda vor dem Haus saßen zwei Frauen und sahen uns fragend an. „Äm hola, excuse me, do you know, is this here a tattooshop? For tattoo?“, stammelten wir und zeigten mit den Fingern auf unsere Haut. Eine der Frauen lächelte, wandte sich Richtung Eingangstür und schrie irgendwas auf Spanisch. Wenig später trat ein junger Mann an die Tür – anscheinend ihr Sohn.

Er winkte uns herein. Zögerlich öffneten wir das knarrende Eisentor und betraten den Garten. Erst jetzt begriffen wir, dass die zwei Frauen gerade an ihrer Maniküre saßen. Das war ein “Beautysalon” – auf einem Plastikterrassentisch – auf der Veranda – vor dem Haus. Mit Dutzenden von Nagellacken in allen erdenklichen Farben, Pinsel und Pinzetten und sogar einer Wärmelampe für Gelnägel.

Wir folgten dem jungen Mann ins Haus, vorbei an einer Einbauküche und einer Abstellkammer voller Gerümpel. Das „Tattoostudio“ befand sich in einem kleinen Zimmer ohne Fenster. Es war kahl, aber voll ausgestattet, mit professioneller Liege, Rollhockern, Spiegel, starken Lampen und Regalen voller Farbtuben. Die Tätowier-Maschinen lagen schön aufgereiht auf einem Tisch, ein riesen Computerbildschirm daneben, die Wände mit Zeichnung voll behangen. Es machte einen erstaunlich guten Eindruck. Er erzählte uns, er bekäme sein gesamtes Equipment von einem Freund aus Kanada geschickt. Hier in Kuba wäre es nicht zu bekommen und das Tätowieren an sich „nicht gern gesehen“. Wir besprachen das Motiv und vereinbarten einen Termin für den nächsten Morgen (es war zwar Sonntag – eigentlich sein freier Tag – und noch dazu der Tag nach Valentinstag – seine Freundin würde stinksauer – doch der junge Mann willigte ein).

Am Sonntagmorgen standen wir also erneut vor dem rostigen Eisentor, doch das blinkende „Tattoo“-Schild war weg. Der mobile Beautysalon auf der Veranda auch. Die Fahrräder und Spielsachen lagen noch da. Es war niemand zu sehen. Es gab auch keine Klingel. Verdutzt sahen wir uns an und überprüften die Uhrzeit. Wir waren pünktlich. Stünden wir vor dem falschen Haus? Oder würde der junge Mann uns versetzen?

Doch wenig später öffnete sich die Tür und der junge Mann winkte uns herein. Erleichtert traten wir ins Haus. Mitten in der Küche stand nun ein Motorroller. Die Gerümpelkammer war unverändert. Sein Tattoostudio auch.

Am Vortag sagte ich ihm nur, ich wolle einen kleinen Anker. Ohne Schnörkel, ohne Schattierung. Simpel und einfach. Nun zeigte er mir seine Zeichnungen und was soll ich sagen, er traf genau ins Schwarze. Nach ein paar Größenveränderungen ging es auch schon los. Ich legte mich auf die Liege, Lisa stand aufgeregt neben mir (an dieser Stelle, nochmal Danke für die moralische Unterstützung, Lisa!).

Der junge Mann holte eine neu eingepackte, sterile Nadel aus einer Schublade, bereitet seine Maschine vor und fing mit dem Tätowieren an. Nach 2 Minuten war alles vorbei. Nun prangte ein wunderschöner, kleiner, schwarzer Anker auf meinem Arm. Genauso wie ich es gewollt hatte. Perfekt.

Tattoo: kleiner Anker

Ich war glücklich und bin es immer noch. Jedes Mal wenn ich auf den kleinen Anker blicke und sanft darüberstreiche, erinnert es mich an unseren unvergesslichen Urlaub in Kuba, an das kristallklare Wasser und den weißen Sand. Und die Lebensfreude. Und an unser kleines Abenteuer.

(Kosten umgerechnet ca. 15€)

Tattoos im Ausland sind umstritten und manchmal verpönt. Und manchmal sind die Hygienevoraussetzungen auch wirklich nicht gegeben. Doch jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, wie er zu dem Thema steht. Ich respektiere, wenn jemand Nichts davon hält, doch bitte auch um Verständnis, wenn sich jemand „dafür“ entscheidet. Ich jedenfalls, habe mich schon öfters im Ausland tätowieren lassen und werde es auch in Zukunft wieder tun.

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