Wohnkabine Selbstausbau

Wohnkabine Selbstausbau

 

In diesem Bericht dreht sich alles um den Selbstausbau unserer Wohnkabine. Unser kleines Schneckenhaus bietet uns Schutz und Wärme an kalten Tagen, in ihm finden all unsere Sachen Platz – mittlerweile ist es tatsächlich zu einem „echten Zuhause auf vier Rädern“ geworden.

Wir wohnen im Schnitt mehrere Monate im Jahr in der Wohnkabine. Deshalb war uns Wohnlichkeit und Funktionalität sehr wichtig.

 

Campspot an einem einsamen Strand auf Sardinien
Campspot an einem einsamen Strand auf Sardinien

Da wir gerne abseits der ausgetretenen Touri-Pfade und im Gelände unterwegs sind, musste der Selbstausbau der Wohnkabine möglichst offroad tauglich werden – sprich: leicht, stabil und mit tiefem Schwerpunkt. Und da wir uns am liebsten alleine und autark irgendwo in der Pampa aufhalten, musste die Kabine auch genügend Stauraum für Lebensnotwendiges bieten (Wasser, Diesel, Lebensmittel).

Als wir unsere Wohnkabine im Herbst 2018 gekauft haben (second hand), hatte sie bereits einen Innenausbau. Der war zwar funktional, war aber viel zu schwer. Also entschieden wir uns dazu, alles rauszureißen und den Innenausbau nach unseren Vorstellungen wieder aufzubauen.

Übrigens: Wer mehr über das erste Kennenlernen zwischen uns, unserem Hilux Moose und der Wohnkabine erfahren möchte, einfach hier klicken! 🙂 

 

unser Innenausbau
unser Innenausbau

1.  MÖBELBAU / BODEN / ISOLATION

Der Boden unserer Wohnkabine wurde mit 3cm dicken XPS Bauplatten belegt. Darauf haben wir dunkelbraunes Klickparkett aus dem Baumarkt verlegt.
Wir hatten uns wegen der leichten Handhabung für die XPS Bauplatten entschieden (die Hartschaumplatten sind enorm fest und formbeständig, günstig, robust und sehr feuchtigkeitsbeständig. Sie werden gerne für Dämmmaßnahmen in Bereichen mit hoher Feuchtigkeitsbelastung eingesetzt).  

Die unteren Seitenwände sind, genauso wie der Boden, mit Bauplatten verkleidet.

Die Wände der Wohnkabine bestehen aus Sandwichplatten mit Metall-Schale. Sie sind magnetisch – was sich mit der Zeit als sehr praktisch herausstellte. 

 

an einem Strand auf Sardinien
an einem Strand auf Sardinien

Möbelbau

Beim Selbstausbau waren zwei Kriterien besonders wichtig: eine Leichtbauweise und eine tiefe Gewichtsverlagerung.

Der Rahmen der Möbel wurde mit 20mm Pappelpressholz aufgebaut. Die sichtbaren Vorderfronten der Möbel wurden anschließend mit 4mm Pappelpressholz verkleidet und weiß lackiert. Pappelholz ist sehr leicht, stabil, preisgünstig und eignet sich gut für den Van-Selbstausbau.

Um noch mehr Gewicht einzusparen, wurden die Möbel selbst an die Seitenwände und den Boden der Wohnkabine fest verschraubt – ohne Rückwand an den Möbeln.

Bei den Griffen der Schränke haben wir uns für Vintage-Keramik-Griffe entschieden.

 

Selbstausbau: linke Küchenzeile mit Waschbecken
Selbstausbau: linke Küchenzeile mit Waschbecken

Linke Küchenzeile

Die linke Küchenzeile besteht aus einer Naturholz Tischplatte (2cm dick), zwei aufklappbaren Schränken (die Schranktürchen halten durch Magnete) und einer tiefen, ausziehbaren Schublade.

Für die tiefe, ausziehbare Schublade wurde eine Eurobox aus dem Baumarkt eingesetzt. Sie wurde einfach auf den Holzrahmen gelegt (ohne Ausziehelement). Schiebt man sie rein, fällt sie am Ende ca. 1cm tiefer und kann so während der Fahrt nicht verrutschen oder herausfallen. Die sichtbare Vorderfront der Schublade wurde auch mit 4mm Pappelpressholz verkleidet und weiß lackiert.

 

Waschbecken und Schränke
Waschbecken und Schränke

Der Wasserhahn, das Waschbecken und der 25l Abwassertank befinden sich auch in der linken Küchenzeile.

Der Wasserhahn besteht aus einzeln zusammengeschraubten Eisen-Wasserrohren und einem roten Wasserregler, der aber nur zur Dekoration dient 😉 

Beim Waschbecken haben wir uns für eine große Vintage-Emailleschüssel entschieden. Dafür haben wir einfach ein Loch in die Emailleschüssel gebohrt, den Abfluss darin verbaut und sie auf die Tischplatte geklebt.

 

Selbstausbau: rechte Küchenzeile mit Schrank für Kompressorkühlbox
Selbstausbau: rechte Küchenzeile mit Schrank für Kompressorkühlbox

Rechte Küchenzeile

Die rechte Küchenzeile besteht aus einem kleineren Schrank mit aufklapparen Türen und einem tiefen Schrank, in dem unsere Kompressorkühlbox Platz findet. Die Vorderfronten sind auch hier mit dünnem Pappelpressholz verkleidet.

Kompressorkühlbox

Die Tischplatte ist, genauso wie auf der linken Seite, aus 2cm dickem Naturholz. Sie lässt sich danke Scharnieren nach oben aufklappen. So lassen sich ganz leicht Lebensmittel aus der Kühlbox holen.
Unsere Kompressorkühlbox ist von Mobicool (Mobicool FR40, 38l Fassungsvermögen, 12/24 & 230 Volt).

 

Tisch, Sitzecke und Bett des Innenausbaus
Tisch, Sitzecke und Bett des Innenausbaus

Tisch & Sitzecken

Beim Tisch haben wir uns für eine 3cm starke Platte entschieden. Der Tischfuß ist klappbar – so kann der gesamte Tisch mit einem einfachen Handgriff vertikal abgesenkt werden. Zusätzlich kann der Tisch dank einer Tischgleitschiene ca. 30cm nach rechts und links verschoben werden. 

Auf der linken und der rechten Seite des Tisches gibt es jeweils eine Sitzecke. Der Rahmen besteht auch hier aus 20mm dickem Pappelpressholz, die Vorderfront aus 4mm dickem Holz und die Sitzfläche aus 3cm dickem Pappelpressholz.

Die Sitzflächen sind zusätzlich mit Scharnieren aufklappbar – darunter befindet sich Stauraum (im rechten Stauraum fand zB. unsere Standheizung Platz).

Die Polster der Sitzecke bestehen aus ca. 7cm cm dicken Schaumstoffteilen, die mit einem robusten Baumwollstoff überzogen wurden.

Weil wir zum Sitzen nicht die gesamte Stehhöhe der Wohnkabine brauchen, haben wir uns dazu entschieden den Tisch-Sitzbereich auf einen Sockel zu stellen. Dafür haben wir auch hier einen stabilen Rahmen aus 20mm Pappelpressholz gebaut. Die obere Seite kann durch Scharniere aufgeklappt werden. Mit dem Sockel entstand ein großzügiger, praktischer Stauraum, in dem wir fast alle unsere haltbaren Lebensmittel aufbewahren können.

Bett

Das Bett befindet sich im Alkoven der Wohnkabine. Mit zwei Handgriffen lässt es sich von 110 x 172cm auf 150 x 175cm ausziehen.

 

Wir filtern das Wasser vor dem Trinken durch einen Kohlefilter
Wir filtern das Wasser vor dem Trinken durch einen Kohlefilter

2. WASSERVERSORGUNG

Zu unserem Wohnkabinen Selbstausbau gehört auch ein 85l Plastik-Wassertank, der von außen mit einem Schlauch mit Frischwasser befüllt werden kann.

Um das Wasser aus dem Tank zum Wasserhahn zu leiten, haben wir uns für eine einfache Fußpumpe entschieden. Sie spart nicht nur Strom, sondern auch Wasser.

Da wir meistens in sehr abgelegenen Gebieten ohne einwandfreie Trinkwasserversorgung unterwegs sind und meistens Wasser aus einem Gartenschlauch (zB. an einer Tankstelle) in unseren Tank füllen, filtern wir unser Trinkwasser zusätzlich durch einen handlichen Katadyn-Kohlefilter. Wenn es schnell gehen muss, füllen wir das Wasser aus dem Wasserhahn in eine handliche Kohlefilter-Flasche von WaterWell

Sprich: Wasser, das zum Trinken und Kochen verwendet wird, wird nachdem es aus dem Wasserhahn kommt noch einmal durch den Katadynfilter gefiltert und anschließend in Glasflaschen abgefüllt.

Das Wasser, das wir nur zum Abspülen und zur Körperreinigung benutzen, wird ungefiltert benutzt. Dies ist zwar nicht die ideale Langzeitlösung, aber für uns reicht es 🙂

Das Abwasser (Grauwasser) wird in einem 25l Plastikkanister unterhalb des Waschbeckens gesammelt.

Fußpumpe WhaleKatadyn WasserfilterKohlefilterflasche von Waterwell 1

3. STANDHEIZUNG

Bei der Standheizung haben wir uns für eine günstige, sogenannte „China-Dieselluftheizung“ entschieden (5KW – wir wissen, dass 5KW eigentlich viel zu viel für so einen kleinen Wohnraum sind, zur Zeit unserer Bestellung gab es aber nur diese Option).

Die guten Bewertungen und der Preis haben uns überzeugt. Bei der Standheizung hat man zusätzlich Zugriff auf die Programmiereinstellungen und kann damit ein Höhenkit simulieren – sehr interessant, wenn man in höheren Gebirgsgegenden unterwegs ist.

Wir persönlich können nichts Schlechtes über die China-Dieselluftheizung berichten und können sie guten Gewissens weiterempfehlen.

Dieselluftheizung

 

am Strand von Sardinien
am Strand von Sardinien

4. STROM / SOLAR

Da unsere Starterbatterie für den Dieselmotor nicht für Verbraucher, wie Kühlbox und Licht leer gesaugt werden soll, haben wir uns für eine Zweitbatterie entschieden. Dafür haben wir einfach eine zusätzliche Starterbatterie in den Motorraum eingebaut. 

Die Zweitbatterie kann nicht nur die Verbraucher der Wohnkabine laden, sondern auch für die 1. Starterbatterie einspringen, sollte ein Problem damit auftauchen. 

Unsere Zweitbatterie wird durch die Lichtmaschine des Motors und/oder durch Sonnenenergie geladen. Ein automatisch gesteuertes Trennrelay verbindet die beiden Batterien ab einer Spannung von 13,2 Volt (dann werden beide Batterien durch die Lichtmaschine des Motors geladen).

Die Zweitbatterie wird zusätzlich durch die 2x 100 Watt Solarzellen auf dem Dach der Wohnkabine plus dem mobilen 100 Watt Solarpanel auf der Motorhaube gespeist.

100 Watt Solarpanel Enjoysolar
12V Wechselrichter
Big Blue Solarladegerät
Dokio Solarpanel
100 Watt Solarpanel Enjoysolar
12V Wechselrichter
Big Blue Solarladegerät
Dokio Solarpanel
100 Watt Solarpanel Enjoysolar
12V Wechselrichter
Big Blue Solarladegerät
Dokio Solarpanel

Mithilfe eines Schalters im Fahrerraum kann die Zweitbatterie auch von der Lichtmaschine getrennt werden  – nützlich wenn an sehr sonnigen Tagen genügend Energie durch die Solarzellen entsteht und die Stromerzeugung durch die Lichtmaschine für die Zweitbatterie nicht benötigt wird.  

UPDATE 2020: während unseres Griechenland Roadtrips sind wir von der Bleisäure Batterie auf eine LiFePo4 Batterie als Zweitbatterie umgestiegen. Unsere Gründe dafür und wie der Einbau von Statten ging, verraten wir dir in diesem Bericht: Wechsel von Bleisäure Batterie zu LiFePo4 Batterie von OffGridTec.

In der Wohnkabine gibt es nur 12 Volt Verbraucher (Kompressorkühlbox, Deckenlampe, Lichterkette, Ventilator, USB Steckdosen). Alle 12 Volt Verbraucher können direkt an die Zweitbatterie angeschlossen werden.  

Mithilfe eines zusätzlichen 12V Wechselrichters können auch Elektrogeräte mit 230 Volt geladen werden (zB. Kamera Akkus). 

Für zusätzlichen Strom haben wir noch ein faltbares, kleines Solarpanel. Dies eignet sich perfekt um zB. am Strand oder bei einer Wanderung das Smartphone zu laden. 

 

3 Fenster dienen als Belüftung
3 Fenster dienen als Belüftung

5. FENSTER / BELÜFTUNG

In der Wohnkabine gibt es 3 Fenster (links, rechts und an der Eingangstür). Alle lassen sich aufklappen bzw. aufschieben. Die Belüftung ist damit recht gut.

Als Sichtschutz gibt es einfache Stoff-Rolläden von Ikea.

Zum Schutz vor Moskitos haben wir Moskitonetze auf die Größe unserer Fenster zugeschnitten und kleine Magnete in die Ränder eingenäht. Damit können die Netze ganz einfach um die Fenster geheftet werden.

 

selbstgemachte Moskitonetze mit Magnete
selbstgemachte Moskitonetze mit Magnete
MagneteMoskitonetz

6. SELBSTAUSBAU: ZUSÄTZLICHE GADGETS

Sicherheit:

Für zusätzliche Sicherheit haben wir einen kleinen Feuerlöscher und einen Gasmelder in der Wohnkabine. 

Der Gasmelder ist von 3Gas+ und entdeckt Kohlenmonoxid, Butan-, Propan- und Narkosegas (12 Volt, 80 Dezibel Alarmsignal). Beim Modell 3Gas+ Square können zusätzlich noch bis zu 2 weitere Sensoren hinzugefügt werden (12/24 Volt).  

GasmelderFeuerlöscher

Zusätzliche Aufbewahrungstaschen:

Oberhalb des Bettes haben wir an beiden Seiten jeweils eine kleine Aufbewahrungstasche aus Filz an die Wand genietet. Der perfekte Ort für das Smartphone, Aufladekabel, Sonnenbrille usw…

An die Innenseite der Tür haben wir eine größere Aufbewahrungstasche aus Filz genietet. Darin finden unsere Schuhe und ein kleiner Handbesen Platz. 

 

Filztaschen zum Aufbewahren von kleinen Gegeständen
Filztaschen zum Aufbewahren von kleinen Gegenständen

Magnet-Wäscheklammern:

Um Geschirrtrockentücher, Handtücher, Mützen ect. ganz einfach aufhängen zu können, benutzen wir Magnet-Wäscheklammern. Dafür haben wir kleine Magnete an Holzklammern geklebt. Eine simple, aber sehr effektive Lösung für magnetische Van-Wände. 

WäscheklammernMagnete

 

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. 22. Dezember 2020 / 11:41

    Ihre Geschichte sieht aus wie ein Bild aus meinem Traum. Ich wollte schon lange unseren alten Pickup umbauen und ihn zu einem echten Mobilheim machen. Sie haben mich sehr inspiriert, ich werde versuchen, so schnell wie möglich notwendiges Zubehör zu kaufen und mit dem Einbau der Wohnkabine zu beginnen.

    • ValeriaTheTravely1
      22. Dezember 2020 / 13:32

      Hallo Merlyn,
      vielen Dank für die netten Worte!
      Das freut uns wirklich sehr, wenn wir Sie inspirieren konnten! 🙂
      Alles Gute beim Ausbau & eine schöne Weihnachtszeit!

      Glg, Valeria

  2. Julia
    19. Dezember 2020 / 19:16

    Hallo ihr Beiden!
    Ich lese schon länger auf eurem Blog mit, anfangs nur zum Träumen, doch jetzt habt ihr mich und meinen Freund völlig angefixt und wir haben einen Dodge mit Wohnkabine (Marke Eigenbau) für einen guten Preis in Aussicht. Wir sind allerdings Studenten und überlegen, ob das jetzt schon in unserem Budget ist – bisher sind wir mit einem 20-Jahre-alten Peugeot mit Dachzelt unterwegs 😉
    Wir würden die Kabine innen auch noch auf jeden Fall umbauen, weil sie gerade sehr funktionell eingerichtet ist und wir 2022 für mehrere Monate auf Reisen gehen wollen. Eigentlich möchten wir vom Stil her genau die Inneneinrichtung eurer Moose 😉
    Deshalb habe ich ein, zwei Fragen: wie groß ist denn eure Kabine (ohne Alkoven), diese Info konnte ich nirgends finden?
    Und wie viel hat euch der Innenausbau gekostet, und zwar ohne die Technik? Soll heißen, der Dodge hätte bereits alles von Standheizung über Solarpanels bis hin zu Kompressorkühlschrank, uns geht es nur um die Innenausstattung (und die Fenster).
    Wenn ihr das nicht unbedingt öffentlich machen wollt, freue ich mich auch über eine Mail!
    Alles Gute euch,
    Julia

    • ValeriaTheTravely1
      22. Dezember 2020 / 13:45

      Hallo Julia,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und die lieben Worte!
      Das freut uns echt riesig, wenn wir euch dazu inspirieren konnten! 🙂

      Wo würdet ihr 2022 denn gerne hinfahren? 🙂

      Unsere Kabine (ohne Alkoven) ist ungefähr Länge 1,60m x Breite 1,80m (also der Teil, der auf der Pickupladefläche steht).
      Und ca. 1,80m hoch.
      (Die Kabine wurde eigentlich für einen Ford Ranger gebaut.)
      Puh, schwierige Frage! Wir haben alles nach und nach umgebaut, deshalb wissen wir selbst nicht genau wie viel alles gekostet hat.
      Aber wir schätzen so um die 300€ (also für das Holz, Farbe, Bodenbelag, Waschbecken, Wasserhahn, Abwasserkanister, Polsterbezüge und so Kleinkram).
      Fenster waren bei uns schon drinnen, deshalb kann ich euch dazu nichts sagen.

      Magst du uns etwas mehr über eure mögliche Kabine erzählen?

      Alles Liebe & Frohe Weihnachten!

      Valeria & Lukas

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