Sternenfotografie – Lukas‘ Tipps

Sternenfotografie – Lukas‘ Tipps

 

Das Thema Sternenfotografie ist riesengroß. Man könnte ganze Romane darüber schreiben und jeder Fotograf hat seine eigene Meinung dazu und eine eigene Vorstellung darüber, wie ein Sternenbild bis zum Schluss aussehen soll. In diesem kleinen Guide möchten wir dir die Grundkenntnisse und wichtigsten Tipps für die Sternenfotografie aufzeigen und erklären wie auch du ein schönes Sternenbild knipsen kannst.

In diesem Artikel erklärt dir Lukas (er ist der Sternenfotograf bei uns :)) die wichtigsten Grundbegriffe wie Belichtungszeit, Blende, Fokus usw. und versucht dir das große – und stellenweise auch sehr komplexe – Thema Sternenfotografie ein wenig näher zu bringen.

 

Die Milchstraße über dem australischen Outback
Die Milchstraße über dem australischen Outback

LUKAS‘ TIPPS FÜR DIE STERNENFOTOGRAFIE

Was du dazu brauchst:

–  eine Kamera mit manuellem Modus
–  ein Stativ
–  eine Stirnlampe
– Grundkenntnisse über Belichtungszeit, Blende, Fokus, Bildformat, Weißabgleich, ISO, Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung (keine Angst, weiter unten im Artikel findest du eine Begriffserklärung)

 

DIE PLANUNG

Sternen- bzw. Nachtfotografie benötigt ein klein wenig mehr Planung, als die Fotografie bei Tag.

Das Motiv sollte wenn möglich schon bei Tageslicht geplant werden. Überlege dir, ob du nur den Sternenhimmel fotografieren möchtest oder den Sternenhimmel mit Menschen, Fahrzeugen oder Bergen im Vordergrund. Für die Planung des Motivs kann man sich auch kleine Helferlein ins Boot holen wie zB. Apps, die einem die genaue Position der Milchstraße oder des Mondes anzeigen (wie zB.: Star Walk, Planit Live, Planit Pro, Clear Outside, Light Pollution Map – Dark Sky – die meisten Apps sind sowohl für IOS, als auch für Android verfügbar).

 

Sternenfotografie bei Mondlicht - die Landschaft wird angeleuchtet.
Sternenfotografie bei Mondlicht – die Landschaft wird angeleuchtet.

Wetter & Mond

Informiere dich über die Wetterverhältnisse in der Nacht (wird es wolkig sein?) und über die Mondphase. Vor allem der sehr helle Vollmond beleuchtet die gesamte Landschaft enorm – dies mag mit dem bloßen Auge nicht sonderlich stören, bei der Nacht- bzw. Sternenfotografie bedeutet dies jedoch einen Unterschied von „Tag und Nacht“ – im wahrsten Sinne des Wortes!

Bitte nicht falsch verstehen, eine vom Mondlicht angestrahlte (und damit fast „taghelle“) Umgebung kann bei manchen Motiven sehr schön aussehen. Es kann jedoch auch sehr irritieren. Deswegen ist es im Vorfeld wichtig, sich über die vorherrschende Mondphase Gedanken zu machen.

Ist kein Mond am Himmel, wirkt die umliegende Landschaft sehr dunkel (beim Sternenbild erkennt man dann oft nur eine schwarze Silhouette).

In Phasen des ab- bzw. zunehmenden Mondes ist es wichtig sich über die Mondlaufbahn zu informieren. Zum Beispiel: es kann passieren, dass der Halbmond zwar von 19.00 bis 03.00 Uhr zu sehen ist, später aber hinter einer Bergkuppe verschwindet. Ab 03.00 Uhr hätte man also auch bei Halbmond die Chance auf einen dunklen Nachthimmel und ein schönes Sternenfoto. (Wir benutzen die Apps Star Walk, Planit Live und Planit Pro um die Mondlaufbahn zu berechnen).

Tipp für tolle Milchstraßenfotos: 

Je nachdem wo du dich auf der Welt befindest (zB. Nord- oder Südhemisphäre) und je nach Jahreszeit siehst du andere Sternenbilder am Nachthimmel. Möchtest du ein schönes Sternenbild mit der Milchstraße schießen, helfen dir die Apps dabei herauszufinden, wann und ob sie an deinem Standort zu sehen ist. 

In Europa zum Beispiel hat man im Sommer die besten Chancen auf ein tolles Milchstraßenbild. 

Lichtverschmutzung

Wenn du dein Sternenbild planst, mache dir auch Gedanken über eine mögliche „Lichtverschmutzung“ (light pollution). Befindest du dich in der Nähe von großen Städten oder Autobahnen? Die Straßen-, Gebäude- und Fahrzeugbeleuchtungen in Dörfern und vor allem Städten verursachen oftmals eine massive Lichtverschmutzung. Genauso wie beim Mondlicht, ist dies mit dem bloßen Auge nicht sonderlich schlimm, auf dem Sternenbild kann eine beleuchtete Stadt jedoch schnell zu „grell“ wirken. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich für sein Sternenbild möglichst weit weg von Siedlungen begeben.

 

Auch die Lichter sehr weit entfernter Städte werden auf Sternenbildern sichtbar (wie hier am hinteren Horizont)
Auch die Lichter sehr weit entfernter Städte werden auf Sternenbildern sichtbar (wie hier am hinteren Horizont)

OKAY, LETS DO STERNENFOTOGRAFIE!

Super, du hast dir Gedanken über das Wetter und die Mondverhältnisse gemacht, hast dir ein schönes Motiv ausgesucht und willst gleich loslegen mit deinem ersten Sternenfoto.

Hier eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung zur Sternenfotografie:

1. Stativ aufstellen und Kamera montieren

2. Zeitsparende Kameraeinstellungen wählen und losknipsen (ISO so hoch wie möglich, Blende so weit wie möglich offen, Belichtungszeit 5 Sekunden. Bei unserer Canon 5D entspricht dies einer ISO von 25.600 und einer Blende von 2.8 oder 1.4). Mit diesen zeitsparenden Einstellungen wird ein Bild in nur 5 Sekunden erstellt. Dies erlaubt dir in kürzester Zeit deinen Bildaufbau und -ausschnitt zu kontrollieren. Es ist quasi der „Probedurchlauf“ für dein Sternenbild.
Bist du zufrieden mit deinem Bildaufbau? Wenn ja, gehe weiter zu Schritt 3.

3. Richtig fokussieren („scharf stellen“)
Je nach Motiv kannst du einen Berg fokussieren, ein Gebäude, ein Fahrzeug, einen Baum, einen Menschen… Möchtest du nur den Sternenhimmel bzw. die Milchstraße fotografieren, kannst du auch auf einen hellen Stern fokussieren.

(Mehr Information zum Thema Fokussieren findest du weiter unten in der Begriffserklärung.)

 

Die Milchstraße bei leicht bewölktem Himmel
Die Milchstraße bei leicht bewölktem Himmel

 

4. Anschließend die besten Kameraeinstellungen wählen (keine Angst, weiter unten im Artikel findest du eine Begriffserklärung):

Blende so weit wie möglich öffnen. Belichtungszeit so lange einstellen, wie es die Brennweite erlaubt. Die ISO dabei so wählen, dass das Bild einerseits nicht unter-, aber auch nicht überbelichtet ist. Das Ziel ist, dass euer Foto so viel Bildinformation wie möglich enthält (nichts ist unterbelichtet, nichts ist überbelichtet).

In sehr dunklen Gegenden ohne viel Lichtverschmutzung (wie zB. Wüsten oder kaum besiedelten Bergregionen) und ohne Mond am Himmel verwenden wir meistens folgende Kameraeinstellungen:

  • Brennweite 14mm, Blende 2.8, Belichtungszeit 30 Sekunden, ISO 6400
  • Brennweite 24mm, Blende 2.8, Belichtungszeit 25 Sekunden, ISO 6400
  • Brennweite 50mm, Blende 2.0, Belichtungszeit 10 Sekunden, ISO 6400

In einer Nacht mit Vollmond benutzen wir meist diese Einstellungen:

  • Brennweite 14mm, Blende 2.8, Belichtungszeit 30 Sekunden, ISO 800
  • Brennweite 24mm, Blende 2.8, Belichtungszeit 25 Sekunden, ISO 800
  • Brennweite 50mm, Blende 2.0, Belichtungszeit 10 Sekunden, ISO 800 

Bei Vollmond eine möglichst niedere ISO (in diesen Fällen ISO 800) wählen. Die Landschaft wird sehr stark vom Mondlicht angeleuchtet, sodass eine höher ISO zu Überbelichtung führen würde.

5. Abdrücken und abwarten
Je nach Belichtungszeit dauert ein Sternenbild ein paar Sekunden, manchmal aber auch mehrere Minuten. Ganz wichtig: nicht die Kamera oder das Stativ berühren während die Kamera das Bild schießt! Selbst kleinste Vibrationen können das Bild verwackeln.

Das Thema „Bewegung“ spielt bei der Sternenfotografie (bzw. Langzeitbelichtung) eine sehr große Rolle. Im Abschnitt „Langzeitbelichtung“ weiter unten, findest du nützliche Informationen dazu.

Tipp: damit beim Drücken auf den Auslöser keine Vibrationen entstehen, kannst du auch einen Selbstauslöser einstellen. Stellst du den Selbstauslöser zum Beispiel auf 2 Sekunden ein und drückst anschließend auf den Auslöser, wird das Bild erst nach 2 Sekunden geschossen – genug Zeit für dich deine Hand von der Kamera zu nehmen.

 

Nachtfoto bei Mondlicht und leichter Bewölkung
Nachtfoto bei Mondlicht und leichter Bewölkung

 

6. Bestaune dein Werk
Ist es scharf? Ziehen die Sterne Striche? Ist ein Bereich über- oder unterbelichtet? Hier lautet die Devise: trial and error („Versuch und Irrtum“)! Probiere dich aus! Benutze verschiedene Kameraeinstellungen und analysiere das entstandene Bild – nur so lernst du die besten Einstellungen für deine Kamera kennen.

7. Du hast ein schönes Sternenbild geschossen? Dann geht es nun an die Bearbeitung
Wir bearbeiten unsere Bilder mit dem Fotobearbeitungsprogramm Adobe Photoshop Lightroom.
Einen Leitfaden für die Bearbeitung deiner Sternenfotos gibt es leider nicht. Jedes Bild muss individuell bearbeitet werden. In Bearbeitungsprogrammen wie Lightroom gibt es dafür unzählige Möglichkeiten und Einstellungen. Probiere dich einfach aus!

Tipp: versuche möglichst im RAW Format zu fotografieren – das ermöglicht in der Regel eine bessere Bearbeitung.

 

Wie du dein Sternenfoto bearbeitest, hängt von dir ab. Hier eine sehr dezente Bearbeitung.
Wie du dein Sternenfoto bearbeitest, hängt von dir ab. Hier eine sehr dezente Bearbeitung.

BEGRIFFSERKLÄRUNG FÜR DIE STERNENFOTOGRAFIE

Zeitsparende & zeitintensive Kameraeinstellungen bei der Sternenfotografie

In der oberen Schritt-für-Schritt Anleitung sprechen wir von „zeitsparenden Kameraeinstellungen“. Damit sind einfach eine kürzere Belichtungszeit und eine hohe ISO gemeint. Sprich: das Bild wird sehr hell und schnell erstellt (zB. in 5 Sekunden). Dies spart Zeit und erleichtert die Auswahl des Bildaufbaus. Es ist quasi der „Probedurchlauf“ für dein Sternenbild.
Im Gegenzug dazu sind mit „zeitintensiven“ bzw. „besten“ Kameraeinstellungen, eine möglichst niedere ISO und eine lange Belichtungszeit (10 Sekunden bis mehrere Minuten) gemeint.

Du kannst natürlich selbst entscheiden, ob du deinen Bildaufbau erst mit zeitsparenden Einstellungen kontrollierst oder lieber gleich mit den „besten“ Kameraeinstellungen loslegst. Für uns hat sich die Methode mit den zeitsparenden Einstellungen jedenfalls bewährt.

Fokussieren

Fokussieren bedeutet „scharf stellen“. Du kannst selbst entscheiden auf welchen Bereich du in deinem Sternenbild fokussierst – auf die Sterne, ein Fahrzeug, einen Berg…
Wegen der Dunkelheit klappt das Fokussieren eines Objektes im Vordergrund manchmal nicht auf Anhieb. Versuche das zu fokussierende Objekt mit einer starken Stirnlampe anzuleuchten. Dann sollte das „scharf stellen“ klappen.

Möchtest du nur den Sternenhimmel fotografieren (ohne ein Objekt im Vordergrund), fokussiere auf einen möglichst hellen Stern (meist funktioniert dies nicht automatisch, sondern du musst selbst am Fokusring drehen und damit einen Stern „scharf stellen“. Benutze dafür den Live View. Zoome mit dem digitalen Zoom soweit es geht zum Stern und drehe dann den Fokusring so lange bis der Stern als kleinster Punkt erscheint.

 

MIlchstraße über dem Bryce Canyon (Bild mit wenig Bearbeitung)
Milchstraße über dem Bryce Canyon (Bild mit wenig Bearbeitung)

Brennweite

Die Brennweite wird in Millimetern angegeben und bestimmt, wie groß oder klein der Sichtwinkel eines Fotos ist. Je kürzer die Brennweite, desto größer der Bildausschnitt. Für Fotos mit möglichst großem Bildausschnitt wird oft ein Weitwinkelobjektiv verwendet (zB. wie oben beschrieben: Brennweite 14mm). Damit entsteht ein „Panoramabild“ – das Motiv ist weit entfernt.

Je größer die Brennweite, desto näher erscheint dein Motiv auf dem Foto. Mit einem Zoom- oder Teleobjektiv erhöhst du die Brennweite und verkleinerst dabei den Bildausschnitt – dein Motiv „kommt näher“.

 

Ein Sternenbild mit einer hohen Brennweite - das Bild wirkt "hineingezoomt"
Ein Sternenbild mit einer hohen Brennweite – das Bild wirkt „hineingezoomt“

Blende

Bei der Blende geht es um die „Schärfentiefe“ eines Bildes. Mit Sicherheit kennst du diese schönen Portraitfotos, auf denen die Person im Vordergrund scharf und der Hintergrund dagegen unscharf ist? Dafür wird eine möglichst kleine Blende – eine geringe Schärfentiefe – verwendet (zb. 2.0). Bei Landschaftsbildern hingegen ist oft nicht nur der Vorder- oder Hintergrund scharf, sondern das gesamte Motiv. Dafür wird eine höhere Blendenzahl eingestellt (zB. 13).

Die Blende beeinflusst jedoch nicht nur die Tiefenschärfe eines Bildes, sondern auch die Belichtung. Bei der Nachtfotografie sollte man eine möglichst kleine Blendenzahl nutzen. „Klein“ bedeutet in diesem Fall eine „weit geöffnete Blende“. Bei einer weit geöffneten Blende kann viel Licht einfallen (kleine Blendenzahl), bei einer sehr geschlossenen Blende kann weniger Licht einfallen (hohe Blendenzahl). Nachts soll viel Licht einfallen – die Blendenzahl muss möglichst gering sein (zB. 2.0, 2.8).

Achtung: bei vielen Objektiven lässt sich auch eine Blendenzahl von zB. 1.4 einstellen. Dies führt jedoch oft zu unschönen Verzerrungen am Bildrand. Wie klein deine Blendenzahl bei der Nachtfotografie sein kann, musst du also selbst herausfinden. Learning by doing lautet hier die Devise!

 

Foto mit Milchstraße und aufgehendem Mond
Foto mit Milchstraße und aufgehendem Mond

ISO

Bei Kameras zeigt der ISO Wert an, wie lichtempfindlich der Bildsensor ist.

Standartmäßig wird eine ISO zwischen 100 und 200 genutzt – das ist bei ausreichenden Lichtverhältnissen auch geeignet. Sind die Lichtverhältnisse schwieriger (zb. abends, in Innenräumen oder wolkigen Verhältnissen) wird meist eine höhere ISO verwendet (zB. 400-800). Nachts wird eine ISO über 800 benötigt.

Benutze ich also einen hohen ISO Wert, wird auch die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors erhöht – man benötigt also weniger Licht für eine gute Aufnahme.

Es gibt jedoch einen Haken: bei der Sternenfotografie sollte die ISO stets so gering wie möglich gehalten werden, denn ein hoher ISO Wert bedeutet mehr Bildrauschen. (Bei starkem Bildrauschen erscheint ein dunkler Nachthimmel dann nicht mehr schwarz, sondern ist von unzähligen kleinen weiß/grauen „Punkten“ durchzogen – das Bild wirkt dann nicht „sauber“). –> siehe auch Begriffsbezeichnung „Bildrauschen“

 

Die Milchstraße hinter den Felsformationen, die mit einer Lampe sanft angeleuchtet wurden
Die Milchstraße hinter den Felsformationen, die mit einer Lampe sanft angeleuchtet wurden

Belichtungszeit & Langzeitbelichtung (long exposure)

Die Belichtungszeit ist „die Zeit, in der Licht in die Kamera fällt“. Würde man nachts Bilder ohne Langzeitbelichtung schießen, würden dabei einfach schwarze bzw. sehr dunkle Bilder entstehen, auf denen man nichts erkennen kann. Wählt man jedoch eine hohe Belichtungszeit, „kann mehr Licht in die Kamera fallen“ – selbst noch so schwach leuchtende Objekte (Sterne, Städte, Autobahnen und vom Mondlicht angestrahlte Landschaften) werden damit gut sichtbar.

Die Dauer der Belichtung hängt immer vom gewünschten Motiv ab (es gibt dafür keine allgemein gültige Faustregel – du musst dich ausprobieren, immer wieder unterschiedliche Belichtungszeiten wählen und deine geschossenen Sternenbilder analysieren).

Behalte immer den Faktor „Bewegung“ im Kopf! Selbst kleinste Vibrationen während der Langzeitbelichtung können das Bild verwackeln. Auch ein sich bewegendes Motiv kann auf dem Bild verschwommen aussehen.

Fotografierst du Menschen, sollten sie sich möglichst nicht bewegen während die Kamera das Bild schießt. Fotografierst du zB. Bäume, kann bereits der kleinste Windhauch dazu führen, dass die Blätter/Äste auf dem Bild verwackeln. Dasselbe gilt für stehendes Gewässer (See). Fließendes Gewässer (Meer, Fluss, Wasserfall) erscheint dank der Langzeitbelichtung in einem sanften Schleier – ein oft gewünschter Effekt. Auch vorbeifahrende Autos können einen tollen Effekt verursachen. Dank der Langzeitbelichtung erscheinen ihre Scheinwerfer als rote oder weiße Streifen auf dem Bild.

Auch die Erdrotation, so gering sie im Verhältnis auch sein mag, spielt eine Rolle bei der Sternenfotografie. Wählst du eine zu hohe Belichtungszeit, verwandeln sich die abgelichteten Sterne von kleinen Punkten zu Strichen. Je nach Motiv musst du entscheiden, ob dieser Effekt passt oder nicht bzw. wie lange die Striche sein sollen (längere Belichtungszeit = längere Striche). Ob auf deinem Bild aus den Sternenpunkten bereits kleine Striche entstanden sind, siehst du in der Galerie deiner erstellten Bilder. Zoome dafür mit dem Digitalzoom einfach maximal ins geschossene Bild.

 

Je nach Hemisphäre und Himmelsrichtung sind auch Sternennebel erkennbar
Je nach Hemisphäre und Himmelsrichtung sind auch Sternennebel erkennbar

 

Strichspuraufnahme: als Strichspuraufnahme werden Sternenbilder bezeichnet, bei denen die Sterne gewollt lange Striche ziehen und so einen tollen Effekt erzielen. Fotografiere dafür Richtung Nordpol, fokussiere auf den Polarstern und stelle eine extrem lange Belichtungszeit ein (zB. 4 Minuten). Dank der Erdrotation ziehen die Sterne lange Striche in Kreisform um den Polarstern. Beachte: Kameras können meist keine so lange Belichtungszeit einstellen – für die Strichspuraufnahmen benötigst du einen Fernauslöser (siehe weiter unten).

Neben Sternen gibt es weitere (sich sehr schnell bewegende) Objekte am Nachthimmel, die für das bloße Auge meist zwar nicht gut zu erkennen sind, sich auf deinem Sternenbild jedoch sehr wohl bemerkbar machen. Satelliten, Flugzeuge oder Sternschnuppen zum Beispiel erscheinen auf einem Bild mit Langzeitbelichtung als langgezogener, heller Strich am Nachthimmel.

 

Einmalige Sihouetten machen dein Sternenbild besonders
Einmalige Silhouetten machen dein Sternenbild besonders

Bildrauschen

Ein hoher ISO Wert bedeutet oft mehr Bildrauschen. Möchte man bei der Bearbeitung des Bildes das Bildrauschen entfernen, wird das Bild unschärfer (je mehr Bildrauschen vorhanden ist, desto unschärfer wird das Bild bei der Rauschentfernung). Es gilt also das Bildrauschen von Anfang an möglichst zu vermeiden bzw. zu reduzieren!

Informiere dich ob es bei deiner Kamera die Einstellung „Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung“ gibt. Wenn ja, aktiviere sie. Dabei wird nach der Belichtung automatisch eine Dunkelaufnahme mit den gleichen Einstellungen erstellt. Das hilft das Bildrauschen zu reduzieren. (Aber bedenke: ein Sternenbild mit einer Belichtungszeit von 30 Sekunden, benötigt dann 60 Sekunden Zeit.)

 

Es gilt Bildrauschen möglichst im Vorfeld zu reduzieren - dann klappt die Bearbeitung besser
Es gilt Bildrauschen möglichst im Vorfeld zu reduzieren – dann klappt die Bearbeitung besser

Fernauslöser (Remote Timer)

Bei vielen Kameras kann man keine Belichtungszeit über 30 Sekunden einstellen. Dafür benötigt man einen externen Fernauslöser. Der Remote Timer ist ein kleines, externes Gerät, das „auf den Auslöser der Kamera drückt“.

Aktivierst du bei deiner Kamera die „BULB Belichtungszeit“ und stellst den Remote Timer auf die gewünschte Zeit, kannst du auch Bilder mit längeren Belichtungszeiten schießen. Dabei wird so lange belichtet, wie der Remote Timer auf den Auslöser „drückt“.

Histogramm

Das Ziel bei der Sternenfotografie ist es, dass dein Bild so viel Bildinformation wie möglich enthält – sprich: es sollte nichts über- noch unterbelichtet sein. Das Histogramm kann dir dabei helfen.

Ein Histogramm hilft dir die Tonwerte deines Bildes zu beurteilen. Es wird als Grafik auf deiner Kamera (bzw. auch später in Bearbeitungsprogrammen) dargestellt – als eine Art „Berglandschaft mit Bergspitzen und Tälern“. Das Histogramm zeigt dir die Tiefen (dunkle Bereiche des Bildes), die Mitteltöne und die Lichter (helle Bereiche des Bildes). Je höher ein „Berg“ auf dem Histogramm, desto häufiger kommt dieser Ton in deinem Bild vor.

Ziel ist ein ausgewogenes Histogramm – also eine ausgewogene „Berglandschaft“ auf der Grafik – ohne dass die Tiefen oder Lichtbereiche links oder rechts wie „abgeschnitten“ wirken. Dann wäre dein Bild nämlich zu unterbelichtet (linker Berg ist abgeschnitten) oder zu überbelichtet (rechter Berg ist abgeschnitten). Wie vorher erwähnt: das Ziel ist es, dass dein Bild möglichst viel Bildinformation enthält. Ist ein „Berg“ im Histogramm abgeschnitten, geht Bildinformation verloren.

Tipp: wenn du in RAW Format fotografierst, lässt du den Weißabgleich am besten im Automatik Modus. So wird das Histogramm nicht vom Weißabgleich verfälscht.

Viele Kameras bieten auch die Funktion der „Überbelichtungswarnung“ an. Dabei werden die Bereiche eines Bildes, die überbelichtet sind, als blinkende Flächen angezeigt. Ein nützliches Tool – auch bei der Fotografie bei Tag.

 

Ein Nachthimmel mit Milchstraße und Mond
Ein Nachthimmel mit Milchstraße und Mond

Welche Kamera für die Sternenfotografie 

Für deine ersten Sternenbilder benötigst du keine High-End Kamera. Alles was du brauchst, sind ein Stativ und eine Kamera, bei der du gewisse Einstellungen individuell anpassen kannst.

Auch eine Kompaktkamera (und sogar ein Smartphone) kann Sternenbilder schießen, wenn es die Möglichkeit gibt einige Kameraeinstellungen anzupassen. Bei Smartphones funktioniert dies meist nicht in der vorinstallierten Kamera App. Du benötigst eine zusätzliche Foto App wie ProCamera oder Open Camera.

Bist du schon etwas weiter und möchtest deine Sternenfotografie perfektionieren, zahlt sich die Investition in eine gute Spiegelreflex- oder Systemkamera und lichtstarke Objektive aus.

Tipp: die Auswahl von hochwertigen Kameras und Objektiven ist gigantisch! Recherchiere welches Equipment FÜR DICH am besten geeignet ist. Stöbere auch auf Marktplätzen wie Ebay oder Facebook nach gebrauchten Kameras und Objektiven. Oft lassen sich dort tolle Schnäppchen ergattern!

 

Die Sternenfotografie - ein Thema, das ganze Romane füllen könnte!
Die Sternenfotografie – ein Thema, das ganze Romane füllen könnte!

 

Puh, das war jetzt viel Information auf einmal. Wenn du es bis hierher geschafft hast, gratuliere! Mit diesen Grundkenntnissen steht deinem ersten Sternenfoto nichts mehr im Weg.

Interessierst du dich noch mehr für das große Thema Nacht- bzw. Sternenfotografie oder möchtest dich ganz allgemein mehr mit der Fotografie beschäftigen, können wir dir mehrere gute Webseiten ans Herz legen:

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