Mit dem DIY Mini-Camper unterwegs in Island – André erzählt

Mit dem DIY Mini-Camper unterwegs in Island – André erzählt

 

INTERVIEW

In diesem Reiseinterview erzählt André von seiner abenteuerlichen Islandreise mit seinem selbstausgebauten Mini-Camper. 

1. Kannst du deine Islandreise in ein paar Sätzen beschreiben?

Ende Juli 2018 war ich mit meinem Subaru-Mini-Camper für zwei Wochen auf der Insel. Zum einen wollte ich die atemberaubende Natur voller Gegensätze erkunden, zum anderen den frischen DIY-Camperausbau und das Fahrzeug selbst im Einsatz testen. Leider ist meine Begleitung auf der Fährüberfahrt erkrankt und von den Faröer-Inseln aus nach Hause geflogen. Aber diesen 3-tägigen Zwischenstopp der Norröna-Fähre auf den „Schafs“-Inseln kann ich zur Einstimmung auf Island sehr empfehlen! 

2. In welcher Jahreszeit bist du nach Island gereist? Und warum hast du dich genau für diese Reisezeit entschieden? 

Während der Hauptsaison im Sommer ist es zwar sehr voll und teuer auf Island, aber dafür sind die Tage richtig lang und die Sonne geht nur wenige Stunden unter. Ein weiterer Punkt für diese Reisezeit war auch das Wetter, da ich keine Standheizung im Auto habe und auch nicht auf Hochlandstraßen verzichten wollte, die im Winter geschlossen sind. Auf jeden Fall tauchen die langen, ewig scheinenden Sonnenuntergänge die Landschaft in ein mystisches Licht und sind einfach wunderschön. 

 

André und sein DIY Mini Camper unterwegs im Hochland Islands
André und sein DIY Mini Camper unterwegs im Hochland Islands

3. Wie sah deine (grobe) Route aus? 

Um möglichst viel von der Insel in nur zwei Wochen zu sehen, wollte ich mich überwiegend an die Ringroute halten und Richtung Norden starten. Doch da ich an Bord einen sehr netten Bayern kennen lernen durfte, der auch allein mit seinem DIY-Camper unterwegs war, entschloss ich mich spontan mit ihm zunächst Richtung Süden und dann nach Askja zu fahren. Wieder auf der Ringroute, bin ich dann westlich von Akureyri auf die bekannte F35 ins Hochland abgebogen, um den Golden Circle sozusagen „von hinten“ aufzurollen. Vom Thingvellir Nationalpark ging es die Kaldidalur (F550) entlang Richtung Norden und anschließend um die Halbinsel Snaefellsness herum bis nach Reykjavik. Von dort war noch ein Bogen wieder ins Hochland zum Landmannalaugar geplant, aber durch eine Gletscherschmelze war dort alles überflutet und viele Straßen gesperrt. Deshalb ging es dann direkt zur Ringroute zurück und an Seljalandsfoss und Jökulsárlón vorbei zurück zur Fähre nach Seydisfjördur. 

4. Welcher Abschnitt deiner Reise hat dir besonders gut gefallen? 

Der für mich schönste Abschnitt begann nach dem Besuch des Thingvellir Denkmals und reicht bis nach Reykjavik. Die Hochlandstraße Kaldidalur (F550) war die wohl einsamste Route meiner Reise, wo es doch woanders teilweise übervölkert mit Touristen war. Die Halbinsel Snaefellsnes ist auch bei miesem Wetter wunderschön, und eine Wanderung ins Glymyr-Tal war für mich das Highlight dieses Abschnitts. 

 

Grassodenhäuschen in Island
Grassodenhäuschen in Island

5. Gab es einen besonders schönen Campspot? 

Eine wirkliche Überraschung war die Übernachtung auf dem Campingplatz am Faxafoss. Nicht weit von Gullfoss und Geysir am Golden Circle gelegen, konnte ich hier fast ganz alleine an einem kleinen, aber doch imposanten Wasserfall übernachten. Es gibt nur ein kleines Wasch- und Toilettenhaus, aber oberhalb an der Zufahrt liegt ein Café mit gutem Blick auf den Faxafoss. Beim Abendessen am Fluss gesellten sich noch Einheimische dazu, die unterhalb des Wasserfalls ihre Angeln auswarfen.  

6. Welches sind deine Top 3 Island Sehenswürdigkeiten? 

Vermutlich fällt es jedem Islandbesucher schwer, sich bei all den großartigen Erlebnissen für nur drei Top Sehenswürdigkeiten zu entscheiden. Abseits der wohlbekannten Points of Interest des Golden Circle und der südlichen Ringstraße haben mich besonders die Gegend um den Mývatn und die brodelnden Erdlöcher des Hverir Thermalgebiets fasziniert. Der Ausblick von dem kleinen Berggipfel ist den etwas beschwerlichen Aufstieg absolut wert – es zischt und qualmt und man hat wirklich das Gefühl, auf Mutter Erdes Kochtopf zu stehen.

Ein weiteres Highlight war das Städtchen Stykkishólmur ganz im Norden der Halbinsel Snaefellsnes, mit seinen niedlichen Häusern und dem kleinen Hafen, dem Ausblick auf die Inseln vor der Küste und der futuristisch designten Kirche, die auf einem Hügel thront.

Mein persönlich eindrucksvollstes Erlebnis war jedoch die Wanderung im Glymur-Tal. Etwa drei Kilometer muss man vom Parkplatz aus wandern, bis man die Schlucht der Botsná erreicht und durch wilde Felsformationen nach unten steigt. Dort muss man über einige Steine durch das eiskalte Wasser waten, um am anderen Ende einen steilen Pfad bis auf ein kleines Plateau hinaufzuklettern. Von dort blickt man dann auf den 196m hohen, zweithöchsten Wasserfall Islands, und sitzt direkt an der Felskante der tiefen Schlucht in der Abendsonne – ein Ort, den auch die Isländer als Picknickplatz zu schätzen wissen. Dieser Abstecher nordöstlich von Reykjavik lohnt sich auf jeden Fall! 

 

Land der Wasserfälle - Island
Land der Wasserfälle – Island

7. Welches waren die wichtigsten Reisebegleiter/Gadgets für deine Islandreise?  

Natürlich habe auch ich vor der Reise sämtliche Youtube-Videos mit Tipps zu Islandreisen gesuchtet, um bloß nichts Überlebenswichtiges zu vergessen. Man könnte hier den Thermo-Kaffeebecher nennen, der mich den Tag über begleitet hat und es nichts Schöneres für mich gab, als nach einer Wanderung von Kaffeeduft im Auto empfangen zu werden. Doch wenn ich darüber nachdenke, waren die wichtigsten Begleiter tatsächlich die Wanderschuhe. Da von einigen Parkplätzen zum Teil größere Strecken zu Fuß zurückgelegt werden müssen, sind bequeme, atmungsaktive und wasserdichte Wanderschuhe mit gutem Profil meiner Meinung nach sehr wichtig. An den Wasserfällen ist es immer feucht und rutschig, und ich habe so manchen Tourist in Turnschuhen auf die Nase fliegen sehen. Also mein Tipp – kauft euch gute Wanderschuhe für die Islandreise! 

8. Gab es ein ganz besonderes Island-Erlebnis? 

Neben den ganzen faszinierenden Eindrücken der Natur und Landschaft Islands, durfte ich vor allem viele nette Menschen treffen. Schon auf der Fähre nach Island ergaben sich viele tolle Gespräche mit Gleichgesinnten, denn jeder hatte seine ganz individuelle Art des Reisens. So auch die beiden Tramper, die mir auffielen, als ich am Jökulsarlón über die kleine Autobrücke gerade wieder zurück zum Parkplatz gehen wollte. Es war bedeckt und regnete die ganze Zeit, doch das Tramperpärchen stand unverdrossen wohl schon längere Zeit am Straßenrand und hoffte, dass jemand sie mitnahm. Da ich alleine unterwegs war und schätzte, dass ich nach ein bisschen Aufräumen genug Platz für zwei Personen im Auto schaffen könnte, sprach ich die beiden an. Und siehe da – zwei Deutsche, er sogar aus Kiel! Also zwängten sich die beiden samt Gepäck irgendwie in mein Auto, und ich nahm die beiden für die nächsten Tage mit, bis wir wieder in Seydisfjördur ankamen. Für mich ging es von dort mit der Fähre zurück, während die beiden von Reykjavik aus gestartet waren und bereits Kontakt mit einem Franzosen aufgenommen hatten, der sie für die weiteren Tage mitnehmen würde. So war ich zwar alleine auf Island, aber doch nie einsam, konnte ein Abschiedsfoto von mir knipsen lassen und darf sagen, dass mich der menschliche Faktor auf dieser Reise begeistert hat und mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. 

 

9. Was würdest du zukünftigen Islandreisenden mit auf dem Weg geben? 

Nach nur einer Reise nach Island kann ich natürlich bei Weitem nicht so gute Ratschläge geben wie jemand, der schon oft dort war und die Veränderungen über die Jahre miterlebt hat. Von meinem persönlichen Empfinden her kann ich jedem nur raten, sich an das absolute Verbot des Offroadfahrens abseits der Pisten zu halten! Die Natur braucht Jahrhunderte, um sich von Reifenfurchen zu erholen, und die Naturschützer überwachen teilweise mit Drohnen sehr streng, wenn es doch jemand tut. Spätestens an der Fähre wird man dann zur Kasse gebeten. Die Mehrheit der Leute, die mit dem eigenen Auto nach Island reisen und sich die Zeit dafür nehmen, haben auch ein Interesse daran, die einzigartige Natur zu bewundern und zu schützen. Doch schwarze Schafe gibt es leider immer, weshalb z.B. das Wildcampen mittlerweile auch nicht mehr erlaubt ist. Also respektiert die Natur und schützt sie, damit Island noch lange so wundervoll und faszinierend bleibt für alle Einheimischen und diejenigen, die in der Zukunft dorthin reisen wollen! 

 

Reifenschäden im Hochland
Reifenschäden im Hochland

10. Hast du dein Fahrzeug nach Island verschifft? 

Auch ich habe die MS Norröna vom Norden Dänemarks aus genommen. Die Faröische Smyril-Line bietet eine Internetseite, über die man ganz einfach die Tickets für Fahrzeug, Kabine und ggf. Essen buchen kann. Dabei sollte man wissen, welche Maße das Reisefahrzeug hat, da hiernach der Preis berechnet wird. Da ich meinen Dachträger für die Überfahrt abbauen und in den Kofferraum stecken konnte, musste ich nur den normalen PKW-Preis zahlen. Wenn man allein unterwegs ist und daher selbst das Auto auf die Fähre fährt, sollte man beachten gleich all sein Gepäck für die Tage an Bord mitzunehmen, da während der Fahrt die Autodecks gesperrt sind und eh so super eng geparkt wird, dass man gerade so aussteigen kann. 

11. Gab es einen besonders herausfordernden Abschnitt deiner Route? 

Eine besondere Herausforderung war der mittlere Teil der F35 „Kjalvegur“, so hinter dem Thermalgebiet Hveravellir. Der Subaru ist kein echter Geländewagen, sondern eher ein „geländegängiger Kombi“. Trotzdem konnte ich zunächst mit reduziertem Luftdruck auf den A/T-Reifen sehr entspannt über die ausgewaschene Schotterpiste fahren, doch in diesem Teil war alles übersät mit Schlaglöchern. Beim Ausweichen für ein entgegenkommendes Fahrzeug habe ich dann kurz nicht aufgepasst und bin mit dem rechten Vorderrad so auf einen Stein gerollt, dass dieser mir die Reifenflanke zerstochen hat. Also musste ich alles aus dem Kofferraum räumen, um an das Reserverad zu gelangen – glücklicherweise war das Wetter schön! Und wirklich jeder hat angehalten und gefragt, ob ich Hilfe bräuchte. Alles halb so schlimm, aber ich wusste, dass ich kein zweites Rad dabeihatte und nun lieber aufpassen sollte. Und dass es sinnvoll ist, das Reserverad außen am Auto zu befestigen, damit man schnell rankommt 😊 

 

12. Gab es eine besonders schöne Straße/Piste, die du empfehlen kannst? 

Meine Lieblingsstraße ist die F550 geworden, genannt Kaldidalur. Sie beginnt als normale 550 direkt neben dem Tourist Center am Thingvellir Nationalpark und führt nach Norden. Da viele Leute entweder nach Westen Richtung Reykjavik oder nach Osten zum Golden Circle fahren, begegnet man hier meist nur einheimischen Fahrzeugen. Nach den Abzweigungen auf die 52 und F338 beginnt die eigentliche F550 durch das „kalte Tal“. Vorbei am Tafelberg Ok, der westlich über 1100m aufragt, führt die Straße an Senken vorbei, in denen immer noch Schnee liegt. Kurz bevor es ins Tal hinab nach Húsafell geht, macht die Piste eine scharfe Linkskurve, die nur mit ein paar gelb angemalten Steinen markiert ist. Ich musste schmunzeln, als ich diese spärliche Straßenmarkierung entdeckte, wo es doch direkt dahinter einen steilen Abhang in ein weites Flusstal gab. Im Dunkeln sollte man hier also besonders vorsichtig fahren! 

 

Zu André: 

Ich bin André, 30, und seit drei Jahren mit dem DIY Campervan Virus infiziert. Immer auf der Suche nach neuen Ideen zu Fahrzeugausbau und Reisezielen, war ich bisher auf Island, in den Westalpen und kleineren Roadtrips unterwegs. Wenn ich dann noch Zeit habe, bin ich aktiver Segelflieger und mache auch gerne eine Fahrradtour. Am Ende kehre ich immer mit vielen großartigen Eindrücken in meinen Heimathafen Hamburg zurück – dieser Hashtag ist so etwas wie mein Reisemotto geworden. #Heimathafen #Hamburg 

In André’s Youtube-Video bekommt man noch einen besseren Eindruck von seiner aufregenden Islandreise: https://www.youtube.com/watch?v=9LUb7kvROT8  Schau gerne vorbei!

Du kannst gar nicht genug von Island bekommen und suchst nach weitere Inspiration für dein nächstes Islandabenteuer? Dann schau‘ bei unseren anderen Island-Reiseinterviews vorbei! 

 

 

 

 

 

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