BORDER RUN TÜRKEI – IRAN – IRAK – KUWAIT

BORDER RUN TÜRKEI – IRAN – IRAK – KUWAIT

 

Letzte Woche ging es für uns von der Türkei über den Iran und Irak bis nach Kuwait – es war der Beginn unserer 5 monatigen Tour über die Arabische Halbinsel. Über 1.600km haben wir in weniger als 1 Woche zurückgelegt. Warum wir uns ausgerechnet für diese Route entschieden haben, welche Hürden wir auf dem Weg nehmen mussten und jede Menge Informationen zu den einzelnen Grenzübergängen, findest du in diesem Bericht.

Wir hoffen dieser Bericht ist eine kleine Hilfestellung für alle Reisenden, die auch gerade in dieser Gegend unterwegs sind oder eine Reise dorthin planen.

BORDER RUN TÜRKEI – IRAN

(09.11.2022)
Vom schönen Nemrut Dagi Vulkan am Van See ging es für uns Richtung Osten. Für den Grenzübertritt in den Iran hatten wir uns für den kleinen Grenzübergang bei Kapiköy und gegen den großen Grenzübergang bei Bazargan entschieden.

(Achtung: anders als in Bazargan, ist der kleine Grenzübergang bei Kapiköy nicht wirklich für Lkws und große Fahrzeuge ausgelegt.)

Angekommen auf der türkischen Seite der Grenze herrschte bereits reges Treiben und großes Gedränge – obwohl die Grenze selbst noch gar nicht geöffnet war (sie öffnet erst um 09:00 Uhr – wir waren bereits um 07:00 Uhr dort).

Viele der Minibus- und Taxifahrer mussten die eiskalte Nacht an der Grenze verbringen, weil sie am Vortag nicht mehr durchgelassen wurden. Dementsprechend angeschlagen war die Stimmung.

Je näher die Grenzöffnung kam, desto aufgeheizter und aggressiver wurde die Stimmung unter den Minibusfahrern. Die ersten kleinen Schlägereien fanden statt. Jeder kämpfte – im wahrsten Sinn des Wortes – für seinen Platz in der Warteschlange. Auch wir gaben unseren Platz nicht frei und schoben uns zusammen mit Dutzenden Minibussen, Vans und Taxis Stoßstange an Stoßstange Richtung türkischem Grenztor.

Angekommen am ersten Tor blieb Lukas als Fahrer im Wagen und ich, Valeria, ging zu Fuß zur Passkontrolle. Dort wurde mein Reisepass ausgestempelt und ich konnte durch einen gläsernen, langen Tunnel weiter zum iranischen Grenztor laufen. Lukas‘ Pass wurde am ersten türkischen Grenztor ausgestempelt. Dort wurde auch das Fahrzeug noch einmal kontrolliert. Anschließend durfte auch er zum iranischen Grenzzaun fahren.

Hinweis: später wurden wir darauf hingewiesen, dass Touristen sich auf der türkischen Seite nicht in Fahrer und Passagiere aufteilen müssen – alle Passagiere des Fahrzeugs können einfach im Wagen sitzen bleiben.

Die Ausreise aus der Türkei verlief im Allgemeinen geregelt und unproblematisch.

Angekommen am iranischen Grenzzaun wurden die Prozesse dann chaotischer und die Stimmung immer angespannter – es herrschte Gedränge und überall stapelten sich offene Paletten voller Red Bull Dosen, Nutella Gläser, Maler Rollen… (vermutlich „Schmugglerware“).

Mehrmals wurden Leute abgeführt, es gab Handgreiflichkeiten und Schlägereien, Leute schrien und liefen kreuz und quer. Einige Soldaten benutzten auch kleine Elektroschocker.

Als wir mit unserem Fahrzeug am iranischen Grenzzaun ankamen, wurden wir äußerst freundlich willkommen geheißen. Von jedem einzelnen Soldaten wurden wir mit einem überschwänglichen „Welcome to Iran!“ begrüßt. Das Fahrzeug wurde kurz gecheckt und unsere Daten per Hand in ein dickes Buch eingetragen. Anschließend mussten wir einem der Soldaten zu Fuß zur Passkontrolle folgen.

Auf dem Weg dorthin hat er sich seinen und unseren Weg durch die Menge „frei-elektrogeschockt“. Immer wieder gab es Handgemenge und Streitereien zwischen den wartenden Leuten und den Soldaten. Erneut wurden Leute abgeführt. Wir haben leider nicht verstanden um was es ging.

Innerhalb von 10 Minuten hatten wir unseren Stempel auf dem Visa Formular (das Visa für den Iran hatten wir bereits zuvor über die Agentur TapPersia beantragt und bei der iranischen Botschaft in Tiflis abgeholt).

Mit dem Stempel auf dem Visa Formular konnten wir dann eine Station weiterfahren – zum Zoll. In den kleinen gelben Häuschen des Zolls wurde unser Carnet de Passages abgefertigt. Außerhalb des Grenzzauns konnten wir auch gleich eine Kfz-Versicherung abschließen (ohne Versicherung wollten sie unser Carnet nicht stempeln. Die Versicherungskosten waren okay). An dieser Stelle hatten wir einen Fixer an unserer Seite. Ohne ihn hätte das mitunter etwas undurchsichtige Prozedere am Zoll wohl sehr viel länger gedauert und hätte uns mit Sicherheit viele Nerven gekostet.

Hinter dem iranischen Grenzzaun konnten wir bei einem der Fixer auch gleich ein bisschen Geld wechseln (der angebotene Wechselkurs von Türkischer Lira in Iranische Rial war recht gut).

Der gesamte Grenzübergang hat ca. 4,5h gedauert (2h davon warten auf die Grenzöffnung)
Kosten: Kfz Versicherung Iran 20€ für 10 Tage + Trinkgeld für Fixer
Vorherige Kosten: Iran Visum 75€ pP + Visagebühren bei TapPersia ca. 20€ pP + 35€ Kontogebühren für die Überweisung der Visa Kosten

BORDER RUN IRAN – IRAK

Im Vorfeld hatten wir uns dafür entschieden den Iran als vollwertiges Reiseziel zu streichen und nur im Transit durchzufahren. Im Land hatten wir keinerlei Probleme (außer einen kleinen Autounfall), haben nichts von den Demonstrationen mitbekommen und wurden nicht einmal von der Polizei aufgehalten). Ein unbeschwertes Reisen (vor allem mental) wäre für uns zur Zeit trotzdem nicht möglich gewesen – deshalb der Transit.

Wie immer gilt: jeder Reisende muss für sich selbst entscheiden und auf sein ganz eigenes Bauchgefühl hören. Wer über eine Iran Reise nachdenkt, sollte sich im Vorfeld gut informieren und – am aller wichtigsten – mit Reisenden und Leuten sprechen, die zur Zeit auch tatsächlich im Iran unterwegs sind oder erst kürzlich waren!

Den Iran selbst haben wir in 5 Tagen durchquert (ca. 1.500km). Dabei haben wir uns für die Route Tabriz – Zanjan – Qazvin – Kashan – Izeh – Shalamcheh entschieden.

In Tabriz, Zanjan und Kashan haben wir auf großen Parkplätzen am Stadtrand übernachtet, in Izeh haben wir außerhalb der Stadt an einem großen Schotterparkplatz übernachtet. Die letzte Nacht haben wir direkt an der Grenze in Shalamcheh verbracht. (Alle Plätze hatten wir uns im Vorfeld in der iOverlander App herausgesucht und auf einer offline Karte gespeichert. Wir hatten uns in Tabriz zwar eine iranische SIM Karte gekauft – das Internet funktionierte bei uns jedoch trotz VPN nicht wirklich gut. Mit unseren Familien haben wir ganz klassisch über Email Kontakt gehalten.)

Im ganzen Land wurden wir äußerst freundlich empfangen. Die Einheimischen freuten sich sehr Touristen zu sehen. Fast jeden Tag wurden wir mit kleinen Snacks beschenkt und mussten unzählige Selfies schießen.
Gerne hätten wir den Iran länger bereist und mehr Zeit mit seinen tollen Menschen verbracht. Wir hoffen sehr, dass wir irgendwann einmal wieder die Gelegenheit dazu bekommen.

Angekommen am Grenzübergang in Shalamcheh (14.11.2022) ging es für uns als erstes zum iranischen Zoll um unser Carnet de Passages auszustempeln. Dann gingen wir zur Passkontrolle. Dort wurde unser Visa ausgestempelt. Beides funktionierte tadellos, schnell und erstaunlich organisiert.

Mit dem ausgestempelten Carnet und Visa durften wir weiter bis vor das iranische-irakische Grenztor fahren. Wir hatten Glück – vor uns wartete noch ein kuwaitisches Auto, ansonsten waren wir der einzige Pkw an der Grenze.

Bevor wir auf die irakische Seite des Grenzzauns wechseln konnten, mussten wir zu Fuß los und auf dem riesigen, schlammigen Gelände voller wild verstreuter, halb verfallener Containerbüros einige Dokumente für die Einreise in den Irak besorgen.

Die irakische Seite der Grenze ist berühmt berüchtigt für ihre chaotischen Verhältnisse – und chaotisch ist sie auf jeden Fall! Diese Grenze kann – vor allem bei heißen Temperaturen – zu einer echten Herausforderung und einem kleinen Albtraum für Overlander werden.

Wir hatten Glück – es war nicht viel los, die Mitarbeiter waren alle sehr freundlich und relativ motiviert. Wir mussten zwar auch fünf Mal kreuz und quer über das Gelände laufen um hier einen Stempel abzuholen und dort einen Zettel und dann wieder hier einen Stempel… doch jeder war freundlich und zeigte uns den Weg oder begleitete uns.

Die Schritte im Allgemeinen (Reihenfolge kann abweichen): Irak Visum beantragen (Visa on arrival – wird in den Pass geklebt und gestempelt), die temporäre Einfuhr des Fahrzeugs regeln und das Carnet de Passages einstempeln (das Carnet wird eingestempelt, der Abschnitt für die Einfuhr jedoch nicht abgetrennt).

Kosten: 75US$ pP Visa, 2US$ Gebühren, 100US$ Gebühr für temporäre Einfuhr des Fahrzeugs (muss alles in US$ oder irakische Dinar bezahlt werden – besser genau dabei haben)

Nach diesen Schritten durften wir von der iranischen auf die irakische Seite des Grenzzauns fahren. Danach mussten wir erneut eine Runde über das Containerbüro-Gelände drehen und eine irakische Kfz-Versicherung abschließen, das Fahrzeug wurde vom Zoll kurz durchgecheckt (dafür war auch eine Gebühr fällig). In der Departure Hall wurden außerdem Fotos gemacht und unsere Daten in einen PC eingetragen.

Kosten: 24US$ Kfz-Versicherung, 24US$ „custom check“

Für den gesamten Grenzübertritt haben wir ca. 5h gebraucht – ein relativ guter Wert, denn viele Reisende verbringen auch mal 10-12h an dieser Grenze!

BORDER RUN IRAK – KUWAIT

Manche Reisenden, die über die Shalamcheh Grenze in den Irak kommen, durchqueren den Irak am selben Tag und fahren die rund 80km bis zur kuwaitischen Grenze weiter. Andere bleiben eine Nacht in Basra, das nur wenige Kilometer hinter der iranisch-irakischen Grenze liegt. Und wieder andere starten von Basra aus ihre Erkundungstouren durch den Irak (anders als vom Nordirak kommend, können Reisende, die hier im Süden ins Land eingereist sind und dort ihr Visum bekommen haben, das gesamte Land bereisen und erkunden).

Wir hatten uns im Vorfeld dazu entschieden eine Nacht in einem kleinen Hotel in Basra zu verbringen – einfach um unsere Akkus nach den langen Fahrtagen ein bisschen aufzuladen, das Wifi zu nutzen und in den Genuss einer heißen Dusche zu kommen.

Wir übernachteten im Al Msafir Hotel. Die Zimmer waren zwar nicht super sauber, das Frühstück war aber lecker, das Wifi schnell und die Mitarbeiter sehr freundlich. (1 Nacht hat umgerechnet ca. 35€ gekostet)

Basra an sich war staubig und wuselig. Überall herrschte reges Treiben, der Verkehr war im Allgemeinen sehr viel gesitteter als im Iran und man sah sehr viele amerikanische und im Allgemeinen modernere Autos. 

Es gab viele Polzei-Straßenkontrollen – und an jeder einzelnen wurden wir angehalten. Meistens wollten die Beamten unsere Pässe sehen und einfach nur ein bisschen mit uns Quatschen (auch wenn sie meistens kein Wort Englisch sprachen).

Nach einer Nacht im Hotel sind wir am Folgetag (15.11.2022) schließlich vom Irak nach Kuwait eingereist.

Der Ausreiseprozess aus dem Irak war wieder sehr chaotisch (wir empfanden ihn als chaotischer als die Einreise, da die Containerbüros noch weiter auseinander, der Platz noch schlammiger, die Abläufe noch undurchschaubarer und die Mitarbeiter noch „lustloser“ waren). Kreuz und quer über den Platz verstreut mussten wir irgendwelche Zettel und Stempel einsammeln. Auch mussten wir eine „Ausfuhrgebühr“ in Höhe von ca. 10US$ bezahlen (wir bekamen eine Quittung).

Das Carnet wurde nur widerwillig und auf mehrfache Nachfrage ausgestempelt (es schien als wüssten die irakischen Beamten nichts mit dem Carnet anzufangen. Der Abschnitt wurde wieder nicht abgetrennt).

Die Abläufe waren komplett chaotisch und undurchsichtig, mithilfe eines Fixers konnten wir die Ausreise aus dem Irak jedoch innerhalb von 1h hinter uns bringen.

Die Einreise nach Kuwait verlief geregelt – in der großen Arrival Hall wurden unsere Pässe gestempelt und die Visa erteilt (wir hatten die Visa vorher online beantragt).

Am Zoll, an dem wir auf dem kuscheligen Teppichboden eines klimatisierten großen Raumes Platz nehmen durften und mit Wasser versorgt wurden, wurde das Carnet de Passages eingestempelt (jedoch anders als in den Ländern zuvor).

Vor dem Zollamt mussten wir dann – trotz großem Widerstand unsererseits – das gesamte Fahrzeug leer räumen. Wirklich ALLES musste raus. 5 Mitarbeiter waren für uns zuständig und haben dabei geholfen die Sachen zu verpacken, durch ein kleines Röntgengerät (wie am Flughafen) zu schicken und auf der anderen Seite wieder auf einem großen Tisch zu sammeln. (Einem der Mitarbeiter ist im Laufe des Wagenausräumens eine unserer Festplatten auf dem Boden gefallen – den Mitarbeitern und dem Zollbeamten war dies sichtlich peinlich und unangenehm – auch weil wir, verständlicherweise, darauf ziemlich stinkig reagierten. Niemand entschuldigte sich bei uns, wir mussten danach aber keine weiteren Gepäckstücke durch den Scanner laufen lassen.)

Das leere Fahrzeug musste anschließend durch ein großes Röntgengerät fahren (dabei wird ein Röntgenbild erstellt, das dann erneut von einem Mitarbeiter geprüft wird. Unsere Frisch- und Abwassertanks waren dabei die interessantesten Objekte. Mit unserem Gepäck war natürlich alles in Ordnung. Wir wissen nicht wonach sie suchen – vermuten aber Sprengstoff).

Übrigens: jedes Fahrzeug, das aus dem Irak nach Kuwait einreist, wird geröntgt. Meistens auch das Gepäck. Campingfahrzeuge müssen dabei in den meisten Fällen jedoch nicht komplett leer geräumt werden. Wir hatten wohl einfach Pech.

Dauer: 4h (1h Ausreise Irak, 3h Einreise Kuwait)
Kosten Ausreise Irak: 10$ „Gebühr“ + Trinkgeld für Fixer
Kosten Einreise Kuwait: 6$ für das Röntgen

Nach dem Röntgen durften wir weiterfahren und ganz offiziell in Kuwait einreisen. Nach rund 1 Woche, 3 (mitunter sehr chaotischen) Grenzübergängen und über 1.600km hatten wir es geschafft – wir waren in Kuwait!

Die erste Station war Kuwait City – SIM Karte besorgen, Wasser auffüllen, Geld wechseln… und nun sitzen wir hier am Stadtstrand mit Blick auf die glitzernde Skyline. Die letzten Tage und Wochen haben uns sehr geschlaucht – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Die gebrochene Blattfeder in Georgien, die Unsicherheit wegen der Situation im Iran, die chaotischen Grenzübergänge im Irak… all dies hat sehr an uns gezehrt. Wir freuen uns auf die kommenden Tage – darauf uns etwas zu erholen, ein paar Dinge abzuarbeiten, wieder mit unseren Lieben zu telefonieren und wir freuen uns ganz besonders darauf ein neues Land und eine neue Stadt zu erkunden. Kuwait City wir kommen!

PS: wir hoffen du verzeihst uns den langen Text ohne Bilder. Wegen der angespannten Situation an den Grenzen und im Iran haben wir unsere Kamera seit dem Grenzübergang Türkei-Iran nicht mehr ausgepackt – deshalb gibt es auch keine Fotos.

Übrigens: in unserem Artikel „Anreise auf die Arabische Halbinsel“ beschreiben wir die gängigsten Anreise/Rückreise Routen und deren Vor- und Nachteile. Sozusagen eine kleine Übersicht über alle möglichen Routen, die auf die Halbinsel führen. 

 

Unser neuer Reiseführer: Arabische Halbinsel für Overlander

 

 

 

 

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1 Kommentar

  1. 10. Oktober 2023 / 13:00

    Hallo ihr Lieben,
    auf der Suche nach Informationen zu einem Roadtrip Libanon/Jordanien/Israel/Saudi Arabien/ UAE/Oman bin ich letzte Woche auf eure Website gestoßen. Nun, daraus dürfte seit Samstag vermutlich in absehbarer Zeit erst mal nichts werden und wir müssen uns mal wieder gedulden. Trotzdem lieben Dank für die vielen nützlichen Infos zu Middle East.
    Weiter nördlich und östlich (Sibirien/Mongolei/Kasachstan/Kirgistan/Aserbaidschan/Georgien/Armenien) bin ich schon vor einigen Jahren gefahren, um einen Wagen von Australien nach Deutschland zu bringen, siehe meine Website. Daher interessierte mich jetzt der arabische Raum.
    Lieben Gruß, Rüdiger

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