Patagonien

Patagonien

 

Patagonien ist Sehnsuchtsziel aller Abenteurer und Naturliebhaber; aller, die den Elementen trotzen und etwas wagen wollen, um ihr Glück am buchstäblichen Ende der Welt zu finden.

Der Wind peitscht über die endlose Steppe Patagonien’s , am Horizont erheben sich gezackte, schneebedeckte Berggipfel, ein paar wilde Lamas grasen neben der Straße. Kilometerweit ist nichts zu sehen. Kein Haus, kein Mensch, kein Auto. Nur knorrige Dornenhecken und zähe Grasbüschel, Zäune, die scheinbar ins Nichts führen, ein paar Schafe und ein weiter, unendlicher Himmel.

 

die blauen Eismassen des Perito Moreno Gletscher
die blauen Eismassen des Perito Moreno Gletschers

 

Patagonien bedeutet blau leuchtenden Gletscher, sprudelnde Gebirgsbäche und kreisende Kondore. Patagonien bedeutet Weite und Einsamkeit. Und es bedeutet Berge. Berge, so schön, dass sie einem glatt Tränen in die Augen treiben. Berge, die man nie wieder vergisst.
Wir sind rund 1 Monat mit einem gemieteten Campervan kreuz und quer durch Patagonien gedüst. Auf unserer Reise haben wir sagenhafte Landschaften, endlose Weiten und die freundlichsten Menschen kenengelernt und uns unsterblich in dieses wunderschöne Stückchen Erde verliebt.
Hier möchten wir dir all die Highlights unseres Roadtrips vorstellen. Scrollst du weiter hinunter, findest du auch viele allgemeine Informationen und alles, was du vor einer Reise nach Patagonien wissen solltest (zB. Verfahren an Grenzübergängen, Währung, Sicherheit usw…)

 

GOOD TO KNOW
Unter dem Begriff Patagonien wird der südlichste Teil Chile’s und Argentinien’s verstanden. Die Insel von Feuerland, die auch jeweils zur Hälfte zu Chile und Argentinien gehört, wird dazu gezählt. Patagonien’s Landschaft ist geprägt von gezackten, schneebedeckten Andengipfeln, tiefen Fjorden, blau leuchtenden Gletscherseen und einer schier endlosen, kargen Steppenlandschaft.   
Hier findest du allgemeine Infos über Patagonien und nützliche Tipps für deine Reise. Vom Fahrverhalten der Einheimischen und Straßenzustände, über das Prozedere an den Grenzübertritten bis hin zu den Besonderheiten für Camper im Torres del Paine Nationalpark. Vor allem für Reisende mit eigenem Wagen/Wohnmobil sind viele hilfreiche Informationen mit dabei.

 

ein Nandu am Straßenrand
ein Nandu am Straßenrand

 

1. Anreise

Patagonien ist zwar „nur“ der südlichste Zipfel des Südamerikanischen Kontinents, dennoch ist das Gebiet riesengroß und die Strecken sehr, sehr weit. Bei der Planung deiner Patagonienreise solltest du die mitunter sehr langen Anfahrtswege zwischen den  Sehenswürdigkeiten und Nationalparks immer mit einkalkulieren.
Die meisten Patagonien Reisenden kommen mit einem internationalen Flug nach Santiango de Chile (Chile) oder Buenos Aires (Argentinien) und fliegen von dort in die Städtchen im südlichen Patagonien (zB. Punta Arenas oder Ushuaia auf Feuerland).
Beispiel: die nationale Fluggesellschaft SkyAirlines fliegt mehrmals wöchtentlich von Santiago de Chile nach Punta Arenas und braucht für die Strecke ca. 3 Stunden.

2. Geld & Preise

In Chile herrscht der Chilenische Peso (CLP), in Argentinien der argentinischer Peso (ARS). In größeren Supermärkten und Tankstellen werden (Kredit-) Karten akzeptiert. An manchen Nationalparks und sehr abgelegenen Orten kann man jedoch nur mit Bargeld bezahlen. Es ist also ratsam immer einige Scheine der jeweiligen Währung mit sich zu führen. An Touristenattraktionen ist es außerdem oftmals möglich mit Pesos aus dem Nachbarland, Euro oder Dollar zu bezahlen (wenn auch zu einem schlechten Wechselkurs). 
Die Preise für Lebensmittel in Patagonien sind dem europäischen Standard ähnlich. Treibstoff ist günstig.
Eintrittspreise für Attraktionen und Nationalparks sind jedoch im Verhältnis sehr happig.
Nicht ärgern: meist müssen Einheimische nur einen Bruchteil des Preises bezahlen. Wie zB. für den Nationalpark Los Glaciares bei El Calafate. Dort müssen Argentinier nur rund ein 10tl des Eintrittspreises entrichten.

3. Wetter

Es gibt ein Wort, das das liebe Wetter in Patagonien sehr gut beschreibt: „unberechenbar“. Auf Wettervorhersagen kann man sich nicht wirklich verlassen (am besten fragt man Einheimische).
Das Wetter an der Südspitze Südamerikas kann mitunter erbarmungslos sein. Hier kann man schon mal alle 4 Jahreszeiten an einem Tag erleben. Mit tagelangem Dauerregen, Schneestürmen, Kälte und extremen Wind. Doch es kann auch passieren, dass es sich innerhalb weniger Stunden komplett ändert – die Sonne rauskommt und die Wolken sich verziehen. Und plötzlich sitzt man mit einem Shirt und kurzen Hosen irgendwo mitten in den Anden und lässt sich die warmen Sonnenstrahlen auf den Bauch scheinen. Das Wetter lässt sich in Patagonien nie vorhersagen! Auch im vermeintlich warmen Sommer kann es zu Schneefällen kommen. Entweder man hat Glück, oder man hat keines.
Ein besonderes Thema in Patagonien ist der Wind, der schon mal mit über 100km/h weht. Achtung: bei starkem Wind ist auch beim Fahren Vorsicht geboten. Beim Aussteigen empfiehlt es sich die Fahrzeugtür mit beiden Händen sehr fest zu halten (die Einheimischen erzählten uns, dass es öfters passiert, dass eine Wagentür einfach wegfliegt).
Ein guter Tipp: vor dem Aussteigen erst das Fenster runterkurbeln – das nimmt dem Wind die Angriffsfläche.

 

Wind, Regen, Nebel - in Patagonien ist das Wetter unberechenbar
Wind, Regen, Nebel – in Patagonien ist das Wetter unberechenbar

 

4. Straßen

Die wenigen Hauptstraßen in Patagonien sind breit und asphaltiert und in gutem Zustand (vor allem in Argentinien). Doch die zahlreichen ‚Nebenstraßen‘ sind meist nur Schotterpisten (gravel road). Manchmal sind auch sie breit und eben. Oft sind sie jedoch mit Unmengen an tiefen Schlaglöchern und nervigen Querrillen übersät (sogenannte „Waschbrettstraßen“).
Man wird auf Patagonien’s Straßen zwar oft richtig durchgeschüttelt, ein Allrad-Fahrzeug ist in aber nicht zwingend notwendig (wichtiger ist ein hoher Radstand).
Auf unserem 1 monatigen Roadtrip durch Patagonien waren wir zu 80% auf unasphaltierten Pisten unterwegs und hatten mit unserem Chevrolet – ohne 4×4 – keinerlei Probleme.

 

Straße Richtung El Chaltén
Straße Richtung El Chaltén

5. Fahrverhalten

Laut den Einheimischen fahren Argentinier anscheinend sehr viel „wilder“ als Chilenen – eine Aussage, die wir nach einem Monat Patagonien auch absolut bestätigen können!
Achtung: Vorfahrtsregeln, Geschwindigkeitslimits und Straßenmarkierungen werden in Argentinien nicht so ernst genommen. Vor allem an Kreuzungen ist Vorsicht geboten. In Chile hingegen läuft der Straßenverkehr gemäßigter ab. Oft wird einem als Tourist die Vorfahrt sogar „geschenkt“.

 

Schotterstraße in Feuerland
Schotterstraße in Feuerland

 

6. Grenzübertritt

Reist man kreuz und quer durch Patagonien, steht man irgendwann mit Sicherheit vor dem ein oder anderen Grenzübertritt zwischen Chile und Argentinien. Um die berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Patagonien zu besuchen, lassen sich Grenzübertritte oft nicht vermeiden. Zum Glück gehören Grenzpendler in Patagonien zum Alltagsbild und das Prozedere ist meist unproblematisch. Der Ablauf und was du dabei alles beachten solltest, findest du hier in diesem separaten Bericht über Grenzübertritte zwischen Chile und Argentinien. 

7. Sicherheit

Patagonien gilt als sehr sicheres Reiseziel. Wir persönlich haben uns auf unserem 1 monatigen Roadtrip durch Argentinien und Chile nicht ein einziges Mal in irgendeiner Weise ‚unsicher‘ gefühlt. (Dass man seine Wertsachen wie Kamera und Co. nicht offen im unverriegelten Wagen zurücklässt, versteht sich von selbst.)
„Nur in El Calafate müsst ihr ein bisschen aufpassen.“, rieten uns die Einheimischen. „Dort gibt es angeblich Gruppen, die es speziell auf Campervans/Wohnmobile abgesehen haben. Doch sie stehlen nicht eure Kreditkarten oder Pässe, sondern viel mehr eure Marken-Outdoorbekleidung.“

8. Polizeikontrollen

Straßenkontrollen sind vor allem in Argentinien sehr häufig. Fast täglich kommt man an einer ‚fixen‘ Polizeikontrolle vorbei (oft vor oder nach Städten und Dörfern). Doch meistens ist kein Polizist weit und breit zu sehen und es scheint als hätten es die Beamten nicht auf Touristen abgesehen. (Wir persönlich wurden an solchen ‚fixen‘ Kontrollpunkten nicht ein einziges Mal aufgehalten.)

9. Wifi

In jeder größeren Stadt gibt es Cafés, Restaurants oder Shops, die Wifi anbieten. Auch an jeder großen Tankstelle in Patagonien gibt es gratis – wenn auch langsames – Wifi. Wer immer und überall mit dem Internet verbunden sein möchte, sollte sich eine bzw. zwei SIM Karten besorgen – eine für Chile und eine für Argentinien. Beachte: in sehr abgelegenen Gebieten in den Bergen, Fjorden und der Steppe gibt es oft kein Netz. 

 

Lupinen blühen überall in Patagonien
Lupinen blühen überall in Patagonien

10. Touristeninformationen

Die Informationsbüros an den berühmtesten Touristenhotspots in Patagonien haben stets wertvolle Tipps zur Umgebung, für schöne Wanderungen, dem Wetter und verfügen meistens gratis Wifi. Auch schönes Kartenmaterial kannst du dort holen.
Vor allem für passionierte Wanderer, sollten die Touristeninformationen erster Anlaufpunkt sein!

11. Supermärkte

die großen Ketten-Supermärkte in Patagonien (in jeder größeren Stadt vorhanden) bieten dasselbe riesen Sortiment an Lebensmittel, das wir aus Europa kennen.
Eine Besonderheit jedoch sind die Kassen bzw. die Warteschlangen an den Kassen. Die gibt es nämlich immer! Egal zu welcher Uhrzeit, egal wie viele Leute im Supermarkt umherschwirren – es wird zu endlosen Schlangen vor den Kassen kommen! Da ist Zen Gelassenheit gefragt!

12. Wasser

als Camper mit eigenem Van/Wohnmobil stellt man sich schon mal die berechtigte Frage wo man am besten an Wasser kommt.
Trinkwasser (zum Trinken und Kochen) kann man in großen 5l Kanistern im Supermarkt kaufen. Wasser zum Duschen, Abwasch usw. kann man an vielen Tankstellen meist kostenlos auffüllen (einfach freundlich danach fragen).
In den Nationalparks findet man viele kleine, saubere Bächlein, an denen man seine Flaschen und Kanister auffüllen kann – das Wasser in den Nationalparks ist meist sauberstes Trinkwasser.

 

wildes camping in Patagonien
wildes camping in Patagonien

 

13. (free) camping

Patagonien ist ein Traum für alle passionierten (wild) Camper!
Die endlosen, einsamen Weiten der Steppe erlauben es einem praktisch überall ungestört sein Camp aufzuschlagen. Vorausgesetzt man steht nicht auf Privatgrund, hinterlässt keinen Müll, stört keine Anwohner oder schädigt nicht die Natur und Umgebung in irgendeiner Weise! Hält man sich an das „leave no trace“ Prinzip wird man als Wild-Camper in Patagonien keinerlei Probleme haben.
Wer lieber auf einem normalen Campingplatz nächtigt, findet auch in Patagonien viele schöne Möglichkeiten dafür. An allen wichtigen Touristenattraktionen gibt es kostenpflichtige Campingplätze. Auch sehr viele Farms/Estancias bieten ihren Gästen eine Fläche zum Campen an.
Achtung: der größte Feind aller Camper in Patagonien sind nicht Tiere oder Menschen, sondern das unberechenbare Wetter! Am südlichsten Zipfel Südamerika’s muss immer und überall mit heftigsten Wetterumschwüngen gerechnet werden. Man kann schon mal alle 4 Jahreszeiten an einem Tag erleben – und genau darauf sollte man vorbereitet sein!
In den berühmten Nationalparks Patagoniens herrschen besondere Regeln für Camper: hier darf wenn überhaupt nur an ausgewiesenen Plätzen gecamped werden (egal ob mit einem Fahrzeug oder Zelt). Vor allem im Torres del Paine Nationalpark gibt es ein strenges Camping-Reglement. In diesem separaten Bericht verraten wir dir alles, was du vor deinem Campingtrip in den Torres del Paine Nationalpark wissen solltest. 
Bitte halte dich überall in Patagonien, aber vor allem innerhalb der Nationalparks an die Regeln und hinterlasse so wenig Spuren wie möglich! 

 

Abendessen mit Blick auf die Cuernos
Abendessen mit Blick auf die Cuernos

14. Magellanstraße

Die Meerenge zwischen dem Festland Südamerika’s und Feuerland wird Magellanstraße genannt. Dem portugiesischen Seefahrer Magellan gelang hier im Jahr 1520 die Durchfahrt zum Pazifischen Ozean und schließlich die erste Weltumseglung – wenn auch mit verherenden Verlusten. Nach knapp 3 Jahren auf See, mehreren Meutereien, Stürmen und Kämpfen mit Einheimischen konnten nur mehr 18 Mann, der insgesamt 240 und nur mehr eins, der 5 gestarteten Schiffen nach Hause zurückkehren – auch Magellan selbst überlebte die Fahrt nicht.
Die Magellanstraße ist ein beliebter Tummelplatz für große Meeressäuger: Wale, Delfine, Seehunde… Auf der Fähre nach Feuerland, an der Uferstraße rund um Punta Arenas oder auf einer Bootstour hat man sehr, sehr gute Chancen die großen Tiere zu Gesicht zu bekommen.

15. Fähre nach Feuerland

Bei Punta Delgada nordöstlich von Punta Arenas legt eine (kleine) Fähre nach Feuerland ab. Sie fährt den ganzen Tag über die Magellanstraße hin und her (es gibt keinen genauen Fahrplan).
Für die kurze Strecke braucht sie (bei gutem Wetter) nur ca. 10-15 Minuten. (Kosten pro Fahrzeug ca. 20€ one way)
In Punta Arenas sticht eine große Fähre Richtung Porvenir im westlichen Feuerland in See. Sie ist zwar sehr viel größer, als die kleinere Fähre ab Punta Delgada, braucht für ihre Strecke jedoch einige Stunden, kostet ein Vielfaches mehr und startet nur 2 Mal pro Tag.
Wir persönlich empfanden die nördlichere Fähre als die bessere Option um von oder nach Feuerland überzusetzen.

 

Gebetshäuschen am Straßenrand
Gebetshäuschen am Straßenrand

 

16. Häuschen am Straßenrand

Auf unserer Reise durch Patagonien sahen wir jeden Tag unzählige bunter, kleiner Gebetshäuschen am Straßenrand. Jedes der Häuschen hatte eine andere Farbe und Form, manche waren sehr aufwendig dekoriert und geschmückt, andere waren schlichter. Rote Fähnchen hingen an ihnen oder an den Sträuchern daneben, manche waren von gefüllte Wasserflaschen und anderen ‚Opfergaben‘ umgeben. Erst später erfuhren wir, was sie eigentlich bedeuteten: in Chile waren es meist „Gebetshäuschen“ und erinnerten an verstorbene Verkehrsopfer. In Argentinien waren es „Straßenrand-Heiligtümer“, die entweder Gaucho Gil, einer argentinischen Art ‚Robin Hood‘ oder Difunta Correa, einer Frau, die auf der Suche nach ihrem Mann in der Wüste verdurstete, gewidmet sind. Beide werden im ganzen Land verehrt. Der Brauch besagt, zu den kleinen Schreinen zu pilgern und ihnen Opfer darzubringen oder zu hupen, sobald man an einem der Häuschen vorbeifährt. Sie gelten als „Beschützer“ aller Reisende.

für deinen Roadtrip:

Mini Spanisch Wörterbuch
Straßenkarte Patagonien
Argentinien Reiseführer
Chile Reiseführer
Südamerika Reiseführer
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2 Kommentare

  1. 5. Mai 2020 / 14:22

    Ich war 1995 in Patagonien. Damals sah alles noch ursprünglicher aus. Kaum Straßen, viel Natur, extrem viele Kaninchen. Und der Anflug auf den alten Flughafen Ushuaia war abenteuerlich.
    Wenn du magst, kannst du das mal bei mir nachlesen. https://diereiseule.com/fotoalbum-argentinien-1995/

    Jedenfalls hat der Bericht nette Erinnerungen geweckt. Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Liane

    • ValeriaTheTravely1
      8. Mai 2020 / 11:32

      Liebe Liane,
      vielen Dank für deine Nachricht.
      Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Das war sicher eine tolle, abenteuerliche Zeit! Das hätte ich gerne erlebt.
      Super danke, deinen Bericht sehe ich mir sehr gerne an.

      Liebe Grüße,
      Valeria

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